Meyerbeer, ahoi!
Grand Opéra auf einer alten Bodenseefähre? Meyerbeers «Afrikanerin» am Rande der Alpen? Vier Stunden klingendes Material auf weniger als zwei Stunden eingedampft? Das Riesenorchester auf Salonformat gestutzt (Flöte, Kontrabass, Violine, Klavier, Akkordeon)? Der Konstanzer Intendant Christoph Nix liebt das Schräge und Abseitige – und scheut kein Risiko, wenn er sich für sein kleines Haus etwas Großes vorgenommen hat.
Im vergangenen Jahr war es ein Opernkrimi in den Bergen («Mord auf dem Säntis», siehe OW 8/2011), diesmal also die verhinderte Love Story um den portugiesischen Entdecker Vasco da Gama und die zur Sklavin degradierte dunkelhäutige Königin Sélica. Tobias Schwencke besorgte die musikalischen Arrangements, Regisseurin Jasmina Hadziahmetovic und Nix selbst legten Hand an das Libretto von Eugène Scribe. Das an den kulturellen Schranken zwischen Nord und Süd scheiternde Paar gaben die amerikanische Musical-Mezzo-Röhre Siggy Davis und der singende Schauspieler Ingo Biermann. Trotz eisiger Temperaturen und feuchter Luft am Premierenabend kam die mit Schlager-, Belcanto- und Jazz-Anleihen angerührte Melange frei nach Meyerbeer gut an. Für zwei Vorstellungen machte das Schiff bei ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard Persché
Adina, Get Your Gun! Das ist die Kürzestform für die Art, wie der Regisseur Rolando Villazón im Baden-Badener Festspielhaus den «Liebestrank» verkleidete. Oder auch: «L’elisir d’amore» goes West. Donizettis Singmärchen fand sich auf Johannes Leiackers Bühne und in Thibault Vancraenenbroecks Kostümierung im Wilden Westen wieder – zwischen Bank und Saloon, wo’s...
Orchesterwerke von Detlev Glanert sind im Vereinigten Königreich bereits mehrfach in hochkarätigen Konzerten zur Aufführung gelangt. Sieht man einmal von einer 2007 im Rahmen eines Workshops präsentierten Deutung seines Kammeropern-Triptychons «Drei Wasserspiele» im Londoner Almeida Theatre ab, so ist die erste Glanert-Oper, die nun den Weg auf eine britische...
Man kann’s als eine dramaturgische Chance verstehen, dass Alban Berg seine «Lulu» nicht in abgeschlossener Form der Nachwelt hinterließ. Diesem Gedanken ist seit Friedrich Cerhas ingeniöser Rekonstruktion des dritten Akts nur noch selten nachgegangen worden; in Cerhas Version wurde das Werk wohl allzu selbstverständlich während der letzten dreißig Jahre von den...
