An der Rampe
Berthold Goldschmidt gehört zur «verlorenen Generation» deutsch-jüdischer Komponisten, die – oft erst am Beginn ihrer Karriere – der Verfolgung durch die Nationalsozialisten anheimfielen. Viele von ihnen wurden nach dem Ende des Krieges vergessen, teils, weil die «Unwert»-Urteile der NS-Musikpublizistik nachwirkten, teils, weil ihre Musik den Konzeptionen der Nachkriegs-Avantgarde entgegenstand. So konnte es geschehen, dass Goldschmidts Oper «Beatrice Cenci» erst 44 Jahre nach ihrer Fertigstellung uraufgeführt wurde – 1994 in Magdeburg.
Damals zog die Kritik Vergleiche mit Brittens kurz zuvor entstandenem «Peter Grimes». Doch ist wohl eher der sachliche Neobarock der zwanziger Jahre als Bezugspunkt anzunehmen, Hindemiths «Cardillac» etwa. Auch in «Beatrice Cenci» dominieren polyphone Stimmführungen über bewegten Basslinien, der Orchestersatz ist sparsam, der Ton der Musik von einer bisweilen geradezu demonstrativen Nüchternheit – als habe der Komponist sich das Geschehen auf der Bühne buchstäblich vom Leib halten und jede Empathie mit den Figuren versagen wollen.
Denn die Handlung – nach einem historischen Vorfall aus dem 16. Jahrhundert – ist von überwältigender Entsetzlichkeit: Der ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Ingo Dorfmüller
Der Großsponsor der Wiener Festwochen spendiert in diesem Jahr jedem Besucher einen putzigen Kugelschreiber mit nautischem Innenleben: Hält man das Schreibgerät schief, segelt eine winzige Galeone den gläsernen Schaft hinunter. Sie schafft Verbindung zum Cover der Festwochen-Broschüre und dem offiziellen Plakat: Zwei afrikanische Roomboys mit Bodenschrubbern links...
Eine ordentliche Landschaft aus Holzplanken, zeitlich im Großraum «historisch» situiert. Links steht eine Hütte, rechts deutet ein Boot ein Gewässer an. Eine Rampe zieht sich quer durch den Bühnenhintergrund, den Hang hinab fällt ein messianisches Licht – von hier muss Onegin kommen. Der erweist sich freilich nicht als Messias, nicht einmal als strahlender Galan,...
Im Kreis vertrauter Menschen war er anders. Da sagte er Dinge, die direkter, persönlicher und präziser waren als vieles, was er offiziell redend oder schreibend von sich gab. Plötzlich wich der strenge Fischer-Dieskau-Habitus einer Schutzlosigkeit, wie sie nur wenige Menschen zulassen (können) und wie sie in seinem Gesang hörbar war. «Ein Sänger stirbt zweimal»,...
