Zeitgenosse der Zukunft
Im Kreis vertrauter Menschen war er anders. Da sagte er Dinge, die direkter, persönlicher und präziser waren als vieles, was er offiziell redend oder schreibend von sich gab. Plötzlich wich der strenge Fischer-Dieskau-Habitus einer Schutzlosigkeit, wie sie nur wenige Menschen zulassen (können) und wie sie in seinem Gesang hörbar war. «Ein Sänger stirbt zweimal», sagte er dann zum Beispiel, «einmal wenn er nicht mehr singen kann und einmal mit seinem physischen Ende.» Das war ehrlich und konkret.
Er hat gelitten, als die Stimme nicht mehr mitmachte, und den Abschied vom aktiven Sängerleben im Grunde nie überwunden. Ausgerechnet er, der doch so vieles andere machte, der dirigierte, rezitierte, unterrichtete, malte, schrieb, war in diesem Punkt Sänger durch und durch. Er brauchte das Singen als sinnliche, ganzkörperliche, natürlich auch mentale Spannung. Er lechzte nach dieser Art sich auszudrücken. Nichts war er weniger als ein Intellektueller mit einer schönen Stimme. Als er wenige Jahre nach dem Ende seiner Sängerlaufbahn schwer erkrankte, sah er einen unmittelbaren Zusammenhang. Dass er sich da nicht aufgab, dass es wieder bergauf ging, ist hauptsächlich Julia Varady zu verdanken, ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Hommage Dietrich Fischer-Dieskau, Seite 28
von Stephan Mösch
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