«Verdammt zum grässlichsten der Lose»
Bei einem so viel gespielten Werk des Repertoires wie Wagners «Fliegendem Holländer» muss es jedem Regisseur schwerfallen, einen radikal neuen Zugang zu finden. Nach dreißig Jahren Regietheater scheint die ganze Bandbreite zwischen gesellschaftskritischer Dekonstruktion und synkretistisch aufgepäppelter Vodoo-Bilderwelt, zwischen plattem Realismus und traumatischer Seelenanalyse ausgeschritten.
Man durfte darum mit Recht gespannt sein, wie zwei Neuproduktionen, die im Abstand von einer Woche im Festspielhaus Baden-Baden und an der Staatsoper Stuttgart herauskamen, sich aus dem Dilemma ziehen würden.
Unterschiedlich, ja geradezu konträr fiel schon das Bild aus, mit dem die Zuschauer zum entfesselten Ouvertüren-Auftakt eingeschworen wurden. In Baden-Baden türmte sich auf dem Zwischenvorhang optisch ins Überdimensionale vergrößert Caspar David Friedrichs berühmtes Schiffsgemälde der im Eis gescheiterten «Hoffnung» – ein Schlag mit dem symbolischen Holzhammer, der sich schnell als einer ins Leere erweisen sollte. Anders Calixto Bieito, der in Stuttgart zeigt, wie Senta hinter einer riesigen Glaswand vom Schatten ihres geldgierigen Vaters erst gestreichelt, dann niedergeschlagen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Verdis «Nabucco» spielt das Volk die Hauptrolle, und Münchens Staatsopernchor bot eine überragende Leistung. Höhepunkt war der berühmte Gefangenenchor: eine herzergreifend subtile, warm und weich gesungene Interpretation. Hinter Maschendraht erinnerten die Choristen auch an die vielleicht erste Großtat des Regietheaters an der Bayerischen Staatsoper: Herbert...
Auch das ist die Zürcher Oper: vier Edeltenöre in vier Neuinszenierungen nacheinander – Jonas Kaufmann in den «Königskindern», Marcelo Alvarez im «Troubadour», Neil Shicoff in der «Jüdin» und zuletzt José Cura als «Le Cid» in Jules Massenets Grand Opéra, seinem 1885 schon anachronistischen Beitrag zur Gattung. Cura, dessen eigener Vater am Premierentag gestorben...
Die große Drehtür am Basler Theater ist gesperrt, die gesamte Glasfront mit schwarzen Vorhängen verhüllt – das Foyer betritt man an diesem Premierenabend durch einen Seiteneingang. An den Wänden hängen bodenlange Ketten mit runden Spiegelplättchen, die breite Treppe zum ersten Rang ist mit einem roten Teppich ausgelegt. Da steht man nun und staunt, redet und...
