Im Niemandsland der Abstraktion
In Verdis «Nabucco» spielt das Volk die Hauptrolle, und Münchens Staatsopernchor bot eine überragende Leistung. Höhepunkt war der berühmte Gefangenenchor: eine herzergreifend subtile, warm und weich gesungene Interpretation. Hinter Maschendraht erinnerten die Choristen auch an die vielleicht erste Großtat des Regietheaters an der Bayerischen Staatsoper: Herbert Wernickes Inszenierung von Händels «Judas Maccabäus» im Jahr 1980. Dass einem in dieser Szene Wernickes Bild von auf die Deportation wartenden Juden einfiel, war wohl Zufall.
Denn Yannis Kokkos‘ Regie erwies sich weder als politisch noch als konkret-gegenwärtig. Abstrakt, überzeitlich wollte der Grieche die Geschichte der unterdrückten Hebräer und des größenwahnsinnigen Babylonier-Königs Nabucco erzählen. Dafür schuf er ein Bühnenbild aus perspektivisch verkürzten, horizontal und vertikal verschiebbaren, von innen leuchtenden Kästen, in denen man ein Dutzend anderer Opern spielen könnte. Licht-Designer Michael Bauer tauchte diese Kästen in Weiß, Rot und Gold, er war der eigentliche «Star» des Abends. Die Kostüme – schwarzer Anzug und Mantel, Leder, Stiefel, goldschimmernde Hemden – hatten den Charme einer beliebig ...
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Die Masken sind ab. Frontal zum Publikum sitzen in der Schlussszene nebeneinander: Riccardo und Amelia, Renato und seine beiden Mitverschwörer Tom und Samuel. So lange, bis die Waffe, die im Zeitlupentempo von Hand zu Hand gewandert ist, endlich ihren Zweck erfüllt hat und das eingetreten ist, was alle hilflos erwartet haben. Kein Attentat im eigentlichen Sinne...
In den siebziger Jahren wurde Stefano Landis «Il Sant‘ Alessio» kurzzeitig der Vergessenheit entrissen. Bei den Salzburger Festspielen 1977 sah man eine pompöse Inszenierung August Everdings in den Bühnenbildern Jean-Pierre Ponnelles, die die eher schlichte Heiligenlegende theatralisch erschlug, zumal auch die musikalische Fassung von Hans Ludwig Hirsch sich...
Das Medium CD wird mehr und mehr ein Medium für Hobbybastler. Wer die Neuaufnahme von Händels «Riccardo Primo» zur Hand nimmt, findet kein Libretto im Booklet, sondern nur den Hinweis, dass sich der Text auf CD 1 im PDF-Format abrufen lasse. Nun denn. Der Ausdruck lässt sich in schmucken Ordnern abheften oder aber mühsam mit einer Schere bearbeiten, bis man das...
