Seraphischer Gesang
In den siebziger Jahren wurde Stefano Landis «Il Sant‘ Alessio» kurzzeitig der Vergessenheit entrissen. Bei den Salzburger Festspielen 1977 sah man eine pompöse Inszenierung August Everdings in den Bühnenbildern Jean-Pierre Ponnelles, die die eher schlichte Heiligenlegende theatralisch erschlug, zumal auch die musikalische Fassung von Hans Ludwig Hirsch sich unvorteilhaft der szenischen Zurichtung anpasste.
Auch eine Bearbeitung von Alan Curtis für Innsbruck (1981) blieb unbefriedigend, so dass man jetzt umso gespannter auf William Christie blickte, der Landis dramma musicale für eine szenische Aufführung einrichtete. Nach Aufführungen in Caen und Paris gelangte Christies «Sant‘ Alessio» in die Opéra national de Lorraine in Nancy, wo sich Werk und Inszenierung im intimen Rahmen des barocken Theaters stilvoll ausnahmen. Worum geht es? Alessio verließ, wie die Legende überliefert, am Tag seiner Hochzeit, ohne die Ehe vollzogen zu haben, Braut und Vaterhaus, lebte siebzehn Jahre als Asket in der Wüste, kehrte unerkannt ins Elternhaus zurück, wo er weitere siebzehn Jahre inkognito unter der Treppe vegetierte, dem Spott und Hohn des Hauspersonals ausgesetzt. Den Klagen der Eltern und ...
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