Kaltes Licht
Die Masken sind ab. Frontal zum Publikum sitzen in der Schlussszene nebeneinander: Riccardo und Amelia, Renato und seine beiden Mitverschwörer Tom und Samuel. So lange, bis die Waffe, die im Zeitlupentempo von Hand zu Hand gewandert ist, endlich ihren Zweck erfüllt hat und das eingetreten ist, was alle hilflos erwartet haben.
Kein Attentat im eigentlichen Sinne ist der Schuss, der den Gouverneur niederstreckt, sondern eher der zwangsläufige Schlusspunkt einer Entwicklung, bei der die Beteiligten längst ihre Handlungsfreiheit verloren haben und nur noch Zuschauer ihres eigenen Schicksals sind.
Solche Demaskierungen sind die Stärke von Jossi Wieler und Sergio Morabito: Wenn die beiden erfolgreichsten Teamarbeiter der deutschen Opernszene sich ein Stück vorknöpfen, darf man sicher sein, dass die Kategorien von Gut und Böse, aber auch von Tragödie und Komödie nachhaltig hinterfragt werden.
Selbst in das Schlussbild des «Maskenballs», mit dem Wieler und Morabito nun, nach fünfzehn gemeinsamen Regiejahren, ihr spätes Berlin-Debüt an der Staatsoper geben, haben sie einen Einfall eingeflochten, der die Szene fast ins Tragikomische kippen lässt: den Pagen Oskar (sexy: Anna Prohaska), ...
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