Der Ritter mit dem Dolch
Auch das ist die Zürcher Oper: vier Edeltenöre in vier Neuinszenierungen nacheinander – Jonas Kaufmann in den «Königskindern», Marcelo Alvarez im «Troubadour», Neil Shicoff in der «Jüdin» und zuletzt José Cura als «Le Cid» in Jules Massenets Grand Opéra, seinem 1885 schon anachronistischen Beitrag zur Gattung.
Cura, dessen eigener Vater am Premierentag gestorben war, gab gleichwohl den konfliktbewussten Ehrenrächer seines Bühnenvaters – am Vater der Geliebten, die sich wiederum im ungleich heftigeren inneren Kampf zwischen Dennoch-Liebe und Rache schließlich zum Maurenbezwinger und Nationalhelden bekennt.
Große Oper also – und in Zürich auch wieder nicht. Denn der Regisseur Nicolas Joel ließ in der Koproduktion mit seinem Toulouser Haus einen wesentlichen Bestandteil (und den populärsten Part der Musik) verschwinden: das umfängliche Ballett. Ganz anders als sein Kollege David Pountney nur drei Wochen zuvor: Der hatte, im Gegenteil, die Tänze enger mit der Handlung von Halévys «Jüdin» verschweißt, als das Libretto es vorsieht. Joel inszeniert solide und konventionell, erzielt indes in seiner gediegenen Sachdienlichkeit auch spannungsvolle Momente, fängt zwischen simpler Stehoper ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit seiner Verkörperung der Titelpartie in Wieland Wagners Bayreuther Inszenierung des «Fliegenden Holländers» von 1960 hat er Maßstäbe als Heldenbariton gesetzt. Und das, obwohl Franz Crass im Jahr zuvor auf dem Grünen Hügel mit dem König Heinrich in einer Partie aus dem seriösen Bassfach angetreten war. Aber seine Ausnahmestimme erlaubte ihm den Wechsel...
153 Jahre moderte Charles Gounods zweite, 1854 uraufgeführte Oper «La nonne sanglante» («Die blutige Nonne») in den Archiven, ehe sie jetzt in Osnabrück der Vergessenheit entrissen wurde. Seinerzeit hatte der neue Direktor der Pariser Opéra das von seinem Vorgänger in Auftrag gegebene Werk abgesetzt, weil es durch die Verquickung von Elementen des Schauerdramas mit...
Ein paar Raumteiler, ein paar Türen, ein Fenster und eine Drehbühne – mehr braucht Moritz Nitsche nicht, um im Wuppertaler Schauspielhaus die Welt von Mozarts «Figaro» zu bauen. Zwei, drei Handgriffe des handelnden Personals, und zack, rauschen wir von der Kammer der Gräfin ins Gemach des Grafen und zurück, kauern heimlich mit Cherubino im Kabinett, um am Ende zum...
