Mozart: Le nozze di Figaro

Wiesbaden, Weber: Der Freischütz

Opernwelt - Logo

Ein paar Raumteiler, ein paar Türen, ein Fenster und eine Drehbühne – mehr braucht Moritz Nitsche nicht, um im Wuppertaler Schauspielhaus die Welt von Mozarts «Figaro» zu bauen. Zwei, drei Handgriffe des handelnden Personals, und zack, rauschen wir von der Kammer der Gräfin ins Gemach des Grafen und zurück, kauern heimlich mit Cherubino im Kabinett, um am Ende zum kollektiven Stelldichein durch die blaue Nacht zu tappen.

Die Commedia sprüht auch ohne Opulenz, ihr leichtfüßig-tiefer Esprit zündet ja ohnehin am besten, wenn man aufs Wesentliche, die raffiniert verwobenen Liebeshändel verwirrter Gemüter, schaut. Und genau das tut die präzise, intelligente, temporeiche Regie des Oberspielleiters Johannes Weigand.
Weigand hat mit dem jungen En­semb­le – alle großen Partien sind mit haus­eigenen Kräften besetzt – an Schritt und Tritt gefeilt, Blicke und Gesten mu­sikalisch punktgenau abgestimmt, das komplexe Beziehungsgeflecht der Figuren entfaltet sich mit brillanter Nonchalance. Nie gleitet die Aktion ins Manierierte ab, niemand haut auf die Pauke, das Spiel ist locker und konzentriert zugleich, die prekäre Balance der Gefühle bleibt in jedem Moment greifbar. Statt zu chargieren, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weber: Der Freischütz

Die Frische historischer Musik stellt sich nicht von selbst ein. Marc Piollet hat Webers Urtext noch einmal gründlich studiert, setzt en detail neue dynamische Akzente: unprätentiös, präzise und prächtig. Dazu steht ihm ein bemerkenswert leistungsfähiges Sängerensemble zur Verfügung. In ihm profilieren sich neben Martin Homrich und Astrid Weber als Protagonisten...

Macht der Kopf alles kaputt?

Stephan Mösch: Herr Zehelein, vielen Dank für die vielen Einsichten und Ansichten. «Kommunikative Ästhetik» ist ein großes Wort. Ich möchte, um unsere Diskussion anzuschieben, die Gegenposi­tion mobilisieren. Bei der Vorbereitung auf unser heutiges Gespräch ging mir ein Satz von Jean-Pierre Ponnelle nicht aus dem Sinn. Was wir heute von Ponnelles Ästhetik halten...

Schatten der Vergangenheit

Manchmal braucht es eben den Impuls der Obrigkeit. Auch in künstlerischen Dingen. Die Uraufführung von Giovanni Pacinis «Alessandro nell’Indie» am 29. September 1824 in Neapel war ein fades Ereignis, jenseits von Reinfall und Glücksfall. Erst als ­König Ferdinand IV. bei der zweiten Auffüh­rung den Applaus vorgab, entschied sich der Erfolg dieses Werkes. Noch in...