Weber: Der Freischütz
Die Frische historischer Musik stellt sich nicht von selbst ein. Marc Piollet hat Webers Urtext noch einmal gründlich studiert, setzt en detail neue dynamische Akzente: unprätentiös, präzise und prächtig. Dazu steht ihm ein bemerkenswert leistungsfähiges Sängerensemble zur Verfügung. In ihm profilieren sich neben Martin Homrich und Astrid Weber als Protagonisten mit beglückend leicht geführten Stimmen auch Thomas Jesatko als Kaspar ohne alle Bösewicht- Attitüden und Emma Pearson als dezent aufheiterndes Ännchen.
Um den Dreißigjährigen Krieg als Hintergrund des Stücks anzudeuten, rezitiert der Eremit zur Ouverture ein Gryphius-Gedicht. In einer Pantomime nimmt Max, dem in der Wolfsschlucht die Vision seiner verstorbenen Mutter erscheint, vorab an deren Sarg Abschied. Dieter Richters brillante Metamorphosen des deutschen Forsts ent-falten zunächst durchaus «poetische» Bilder. Doch aus den Lichtungen des Buchenwalds mit durchnummerierten Stämmen kommt deutsche Geschichte zum Vorschein – rasch schält sich heraus, dass Regisseur Dietrich Hilsdorf und sein Team die Handlung aus der Zeit um 1648 um genau dreihundert Jahre verschieben: Die Kleidung der Trümmerfrauen, die Mützen und Jacken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der junge Adorno war begeistert. «Die Stadt Mahagonny», schrieb er 1930 über das neue Gemeinschaftsopus von Brecht und Weill, «ist eine Darstellung der sozialen Welt, in der wir leben, entworfen aus der Vogelperspektive einer real befreiten Gesellschaft.» Damals lag der Skandalrauch, den deutschnationale Bedenkenträger rund um die Leipziger Uraufführung des...
«Wir lieben und ehren dich als den jüngeren, aber großen Bruder von Bruckner und Mahler», rief der junge Henze dem früh Verstorbenen 1963 liebevoll-ironisch nach. Karl Amadeus Hartmann, in bitterer «innerer Emigration» in Nazi-Deutschland verblieben, war nach Kriegsende ein nicht wegzudenkender Teil des jungen bundesdeutschen Musiklebens – als Lehrer, als Freund,...
153 Jahre moderte Charles Gounods zweite, 1854 uraufgeführte Oper «La nonne sanglante» («Die blutige Nonne») in den Archiven, ehe sie jetzt in Osnabrück der Vergessenheit entrissen wurde. Seinerzeit hatte der neue Direktor der Pariser Opéra das von seinem Vorgänger in Auftrag gegebene Werk abgesetzt, weil es durch die Verquickung von Elementen des Schauerdramas mit...
