Der Regisseur als Autor?
Lange war es üblich, Opern in bearbeiteter Form zu zeigen: übersetzt, gekürzt, umgestellt, ergänzt, mit Eingriffen in Dramaturgie und Notentext. Mozart, «Verdi-Renaissance», der Kampf um die Originalfassungen des «Boris», «Hoffmann», der «Carmen» sind nur die notorischsten Beispiele. Als Reaktion formierte sich in den fünfziger Jahren die Urtext-Bewegung. Wissenschaftler erarbeiteten quellennahe Partituren, die in Einzelfällen auch auf die Bühne kamen: Zeddas «Barbier von Sevilla», Oesers «Carmen».
Parallel zum Vormarsch der «Historischen Aufführungspraxis» wurden Originalfassungen Mode: Regisseure rieben sich an ihren Schroffheiten, Widersprüchen, scheinbaren Absurditäten und holten sich daraus Anregungen für Deutungen jenseits der Konvention. Im Laufe der Jahre verlagerte sich der Deutungsakt vom Text und historischen Kontext eines Werkes auf seinen Subtext.
Jetzt stehen wir wieder an einer Wende. In Barbara Beyers Interview-Band «Warum Oper?» (Alexander-Verlag, 2005) konstatiert Sebastian Baumgarten, Jahrgang 1969: «Der Regieberuf als Interpretationsmaschine scheint mir einfach vorbei zu sein», und fordert: «Der Regisseur müsste auch wieder mehr als Autor in Erscheinung ...
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Stephan Mösch: Herr Zehelein, vielen Dank für die vielen Einsichten und Ansichten. «Kommunikative Ästhetik» ist ein großes Wort. Ich möchte, um unsere Diskussion anzuschieben, die Gegenposition mobilisieren. Bei der Vorbereitung auf unser heutiges Gespräch ging mir ein Satz von Jean-Pierre Ponnelle nicht aus dem Sinn. Was wir heute von Ponnelles Ästhetik halten...
Die niederländische Sopranistin Gré Brouwenstijn (1915-1999) war einige Jahre lang eine wichtige Säule der Bayreuther Festspiele, in ihrer Heimat und in England hat man sie besonders als Verdi-Interpretin geschätzt. Der größte Teil ihrer von der Firma Philips produzierten Aufnahmen wurde im CD-Zeitalter nicht mehr aufgelegt. Preiser hat nun einige Einzeltitel zu...
153 Jahre moderte Charles Gounods zweite, 1854 uraufgeführte Oper «La nonne sanglante» («Die blutige Nonne») in den Archiven, ehe sie jetzt in Osnabrück der Vergessenheit entrissen wurde. Seinerzeit hatte der neue Direktor der Pariser Opéra das von seinem Vorgänger in Auftrag gegebene Werk abgesetzt, weil es durch die Verquickung von Elementen des Schauerdramas mit...
