Ein Fest für Claudio
Die große Drehtür am Basler Theater ist gesperrt, die gesamte Glasfront mit schwarzen Vorhängen verhüllt – das Foyer betritt man an diesem Premierenabend durch einen Seiteneingang. An den Wänden hängen bodenlange Ketten mit runden Spiegelplättchen, die breite Treppe zum ersten Rang ist mit einem roten Teppich ausgelegt. Da steht man nun und staunt, redet und rätselt – bis der Schlagzeuger auf der Treppe seine Kollegen vom Barockorchester Basel La Cetra zusammentrommelt. Es gibt Champagner für alle: Und das Fest beginnt.
Es ist wirklich ein Opernfest, das Regisseur Jan Bosse gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Andrea Marcon in Basel veranstaltet. Ein kluger, sinnlicher Abend mit Esprit und Fantasie, mit überwältigender Bildsprache und tief ausgeloteter Musik. Das Operndebüt des 38-jährigen Theaterregisseurs wird zum Triumph. Auch bei der Uraufführung am 24. Februar 1607 in Mantua wurde Monteverdis «L’Orfeo» bejubelt: die Geburtsstunde einer Gattung. Nicht in einem Theater fand dieses epochemachende Ereignis statt, sondern im Palast des Herzogs Vincenzo Gonzaga zum Höhepunkt des Karnevals. Deshalb liegt Bosse ganz nah an der ursprünglichen Aufführungstradition, wenn er die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die niederländische Sopranistin Gré Brouwenstijn (1915-1999) war einige Jahre lang eine wichtige Säule der Bayreuther Festspiele, in ihrer Heimat und in England hat man sie besonders als Verdi-Interpretin geschätzt. Der größte Teil ihrer von der Firma Philips produzierten Aufnahmen wurde im CD-Zeitalter nicht mehr aufgelegt. Preiser hat nun einige Einzeltitel zu...
Zu Beginn eine persönliche Erinnerung. Es ist eine an den schönsten Bordellbesuch: eine Aufführung des «Rosenkavalier» in Wien anno 1961, mit Marianne Schech als Marschallin, Hilde Güden als Sophie und Christa Ludwig als Octavian. Noch heute spüre ich die erotischen Wonnen, die aus den ersten Phrasen des Octavian klangen: «Wie du warst.» Der Vergleich mit dem...
Dass nicht nur Musik Mode wird, sondern Mode auch mal Musik, mag als faszinierende Idee erscheinen. Mode freilich muss sich immer «auf der Höhe der Zeit» bewegen. Folgerichtig müsste auch die musiktheatrale Annäherung an den auratischen wie den kommerziellen Begriff von Mode up to date sein. Giorgio Battistelli mag dergleichen durch den Kopf gegangen sein, als er...
