Materialisierung des Spirituellen
Mark Andres metaphysisches Mysterienspiel «wunderzaichen» ist ein gleichermaßen herausforderndes wie fragiles, verstörendes wie betörendes Werk. Mit seiner manifesten Sehnsucht nach Präsenz des Utopischen, seiner Materialisierung des Geistigen schließt es an Luigi Nonos «Prometeo», mit seiner Thematik im Spannungsfeld von jüdischer Mystik und christlicher Transzendenz an Arnold Schönbergs «Moses und Aron» an und führt mit einer ganz eigenen Klangsprache doch weit darüber hinaus.
Der einstündige Film von Uli Aumüller, der im Zusammenhang mit der Uraufführung an der Oper Stuttgart (siehe OW 4/2014 und Jahrbuch 2014) entstanden ist, dokumentiert einerseits den Arbeitsprozess des Teams um das Regieduo Jossi Wieler/Sergio Morabito und des Dirigenten Sylvain Cambreling, versteht sich zugleich aber als Einführung in das Werk selbst, seine theosophisch-religiösen Voraussetzungen wie dramaturgisch-musikalischen Konsequenzen. Der Film folgt dabei dem Gang der skizzenartigen Handlung, die sich bewusst von der simplen Verständlichkeit wegbewegt und den Zuschauer in einer Art dialektischer Synthese von Hören und Glauben von allen Seiten umkreist.
Andre und sein Co-Librettist Patrick Hahn lassen ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Ein riskanter Selbstversuch: Kann man innerhalb von 24 Stunden zwei «Rosenkavalier»-Vorstellungen durchstehen? Zweimal kurz hintereinander die Wehmut des Marschallinnen-Monologs ertragen, das Flirren der Rosenüberreichung, die Turbulenzen der Beisel-Raufereien, das tränentreibende Schlussterzett?
Man kann. Aber die Nebenwirkungen sind erheblich, und die Überdosis...
Ob gesellschaftlicher Underdog oder nicht: Heute weiß fast jeder, wie prekäre Arbeitsverhältnisse aussehen und wie schnell einer in den Wahnsinn getrieben werden kann. So gesehen bietet Alban Bergs «Wozzeck» reichlich Stoff für jeden Regisseur, der auf Vergegenwärtigung aus ist. Doch Christian Tombeil hebt für seine Neuinszenierung am Theater Hof leider nur im...
Wagners deutschtümlichste Oper, die «Meistersinger», als ultimatives Paradestück zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung? Ein solcher Rösslsprung gelingt selbst Daniel Barenboim nicht mit links. Kein Zufall, dass er in seiner 20. Wagner-Produktion an der Berliner Staatsoper die politische Mission mit einer dramaturgisch ablenkenden Pointe garniert. Auf...
