Das Methusalem-Komplott
Wagners deutschtümlichste Oper, die «Meistersinger», als ultimatives Paradestück zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung? Ein solcher Rösslsprung gelingt selbst Daniel Barenboim nicht mit links. Kein Zufall, dass er in seiner 20. Wagner-Produktion an der Berliner Staatsoper die politische Mission mit einer dramaturgisch ablenkenden Pointe garniert. Auf zwei Feiertage ist diese «Meistersinger»-Premiere verteilt.
Der erste und zweite Akt beginnen um 20.
30 Uhr – so spät also, dass der erste Abend später zu Ende geht als ein vollständiger (normalerweise um 16 Uhr anhebender) «Meistersinger»-Tag. Der dritte Aufzug folgt am Sonntag um 12 Uhr, alles werde zu der im Libretto ausgewiesenen Zeit aufgeführt, hieß es. «Morgendlich leuchtend»? Das hat dann schon einen Beigeschmack von Spätaufsteher-Bummelei.
Ob die «Meistersinger» zum Tag der deutschen Einheit passen, ist eine schwierige, halb müßige Frage. Opernaufführungen zu jener Tages- oder Nachtzeit zu spielen, in der gehandelt wird, ist dagegen kaum mehr als ein Gimmick. Sind Vivaldis «Vier Jahreszeiten» als Lieferung in vier vierteljährlich voneinander getrennten Portionen sinnvoller – und erhellender? Sollte über dem «Lied an ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser
Ihre Nase sehen Männer normalerweise nicht als Eigenpersönlichkeit – anders als jenes Körperteil, dem schon Goethe (in «Das Tagebuch», 1814) den Namen «Meister Iste» gab. Auch das russische «Nos» – der Originaltitel von Schostakowitschs 1928 uraufgeführtem Dreiakter – ist durchaus doppeldeutig, und so durfte man sich seine Gedanken über die Gestalt jener Nase...
Herr Terfel, Sie sind einer der erfolgreichsten Sänger überhaupt. Woher kommen die Gerüchte, Sie wollten Ihre Karriere aufgeben?
Vor einiger Zeit habe ich für ein Jahr meine Opernaktivitäten ausgesetzt, um mich auf Lied und Oratorium zu konzentrieren – Oper kostet viel Zeit. Und mit 45 war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich darüber nachgedacht habe, mich...
Herr Akzeybek, war Singen für Sie schon immer ein Herzenswunsch?
Das hat sich so ergeben. Ich bin als Jugendlicher in Izmir öfter bei Familienfeiern aufgetreten. Irgendwann meinten Freunde, ich solle meine Stimme ausbilden lassen. So habe ich mich um einen Platz am städtischen Konservatorium beworben – und wurde angenommen.
Und da stand fest: Ich will Opernsänger...
