Auf dem Trockenen

Berg: Wozzeck Hof / Theater

Opernwelt - Logo

Ob gesellschaftlicher Underdog oder nicht: Heute weiß fast jeder, wie prekäre Arbeitsverhältnisse aussehen und wie schnell einer in den Wahnsinn getrieben werden kann. So gesehen bietet Alban Bergs «Wozzeck» reichlich Stoff für jeden Regisseur, der auf Vergegenwärtigung aus ist. Doch Christian Tombeil hebt für seine Neuinszenierung am Theater Hof leider nur im Programmheft auf die Aktualität des Werks ab. Auf der Bühne verrennt er sich mit der Ausstatterin Gabriele Wasmuth in ein Konzept, das diesem Meilenstein der Moderne viel, aber glücklicherweise nicht alle Sprengkraft nimmt.



Tombeil verlegt die Handlung in ein Irrenhaus: ein weiß gekachelter Raum mit schmalem Umlauf und einigen Öffnungen. Dort durchmisst der Patient Wozzeck sein Leben als Alptraum quasi noch einmal – und ist zugleich Teil eines Experiments. «Real» handeln hier nur er, der Doktor und die hinzuerfundene Assistentin, die sich per Pappnase in den Narren verwandelt. Alle anderen treten als aus der Zeit gefallene Traumgestalten auf, die der psychisch Kranke imaginiert. Das mag auf dem Papier einleuchten, misslingt jedoch auf der Bühne. Es gibt zu wenig Interaktion, immer wieder geht die dramaturgische Plausibilität ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Monika Beer

Weitere Beiträge
Drama mit Musik

Wieder ertönt das weiße Rauschen mit diesem dröhnenden Brummen. Eine aus der Gruppe von acht Leuten, die sich bis hierhin brav von Raum zu Raum bewegt hat, stößt eine Klapptür auf, wir folgen, verharren in einer Schleuse (das Dröhnen!), gelangen auf ein Zeichen durch die nächste Tür in eine Art Wartezimmer. Kitschige Tapetendrucke, ein Zimmerbrunnen spült klares...

Im Zwiespalt

Nach der konzertanten Aufführung von Meyerbeers «Dinorah», mit der die Deutsche Oper ihr großes Meyerbeer-Projekt vor einem Jahr erfolgreich startete, waren die Erwartungen an die erste szenische Produktion hoch. Sie war gut vorbereitet, basierte – wie erst seit wenigen Jahren möglich – auf der von Jürgen Schläder im Verlag Ricordi (Berlin) herausgegebenen...

Das Methusalem-Komplott

Wagners deutschtümlichste Oper, die «Meistersinger», als ultimatives Paradestück zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung? Ein solcher Rösslsprung gelingt selbst Daniel Barenboim nicht mit links. Kein Zufall, dass er in seiner 20. Wagner-Produktion an der Berliner Staatsoper die politische Mission mit einer dramaturgisch ablenkenden Pointe garniert. Auf...