Drama mit Musik
Wieder ertönt das weiße Rauschen mit diesem dröhnenden Brummen. Eine aus der Gruppe von acht Leuten, die sich bis hierhin brav von Raum zu Raum bewegt hat, stößt eine Klapptür auf, wir folgen, verharren in einer Schleuse (das Dröhnen!), gelangen auf ein Zeichen durch die nächste Tür in eine Art Wartezimmer.
Kitschige Tapetendrucke, ein Zimmerbrunnen spült klares Wasser über eine Silberkugel, auf den Holzstühlen ringsum harren schon andere Zuschauer, um beim Arzt vorgelassen zu werden ‒ aufgefordert von «Sprechstundenhilfen» in Gummimasken mit mädchenhaft-wulstigen Lippen und blonder Perücke. Auf einem der Stühle sitzt Johan Simons, der «Chef»: Pullover und Cordhose, die Haare verwuschelt, das zerfurchte Gesicht unausgeschlafen.
Johan Simons ist überall bei seiner ersten Saison als Intendant der Ruhrtriennale. In Gladbeck sieht man ihn um die Ecke der Zeche Zweckel biegen, vor der Bochumer Jahrhunderthalle mit einem Tross ergebener Mitarbeiter, drinnen zur Premiere «seiner» Ruhr-Version des «Rheingolds». Und in der Musiktheater-Installation nach Claudio Monteverdis Ur-Oper «Orfeo» harrt er eben geduldig im Wartezimmer aus, bis auch er von einer der Gummimasken-Eurydiken ins ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Michael Struck-Schloen & Albrecht Thiemann
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Er wollte es immer genau wissen. Bei allem, was er tat. Nicht nur, wenn es um die eigene Arbeit ging. Beim skrupulösen, sensiblen, kundigen und vor allem: musikalischen Ausloten von Libretti und Partituren, Plots und Figuren, Stoffkomplexen und Subtexten. Sondern auch, wenn er den Kollegen vom Parkett aus über die Schulter schaute. Was sie in Stücken oder...
Herr Terfel, Sie sind einer der erfolgreichsten Sänger überhaupt. Woher kommen die Gerüchte, Sie wollten Ihre Karriere aufgeben?
Vor einiger Zeit habe ich für ein Jahr meine Opernaktivitäten ausgesetzt, um mich auf Lied und Oratorium zu konzentrieren – Oper kostet viel Zeit. Und mit 45 war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich darüber nachgedacht habe, mich...
