Gesundes Misstrauen
Ein riskanter Selbstversuch: Kann man innerhalb von 24 Stunden zwei «Rosenkavalier»-Vorstellungen durchstehen? Zweimal kurz hintereinander die Wehmut des Marschallinnen-Monologs ertragen, das Flirren der Rosenüberreichung, die Turbulenzen der Beisel-Raufereien, das tränentreibende Schlussterzett?
Man kann. Aber die Nebenwirkungen sind erheblich, und die Überdosis wirkt nachhaltig. Es dauert Tage, bis der Boden unter den Füßen wieder trägt.
Dabei arbeiten beide Neuproduktionen, so verschieden sie auch sind, gar nicht mit Opiaten des Klangrauschs oder Klebemitteln des Sentiments – sowohl die Regie als auch die musikalische Leitung gehen hüben wie drüben sparsam mit dem Zucker um. Weder schwelgen wir in Kostüm-Orgien, noch dürfen wir uns am behäbigen Wiener Schmäh delektieren, geschweige denn im Schaum des Breitwand-Sounds versinken. Beide Versionen erzählen die Geschichte mit Brechungen, mit gesundem Misstrauen gegenüber den Seligkeiten des Moments und dem Zauber einer perfekt erdachten Kunstwelt. Und beide Neuproduktionen siedeln in vager Jetztzeit, belassen es aber keineswegs bei durchbuchstabierter Aktualisierung. Strauss’ und Hofmannsthals Kunstgriff des erfundenen ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Regine Müller
Vor der Bescherung eine Rüge. «Singen kommt von Sagen», mahnte der Jury-Vorsitzender Robert Holl und erinnerte damit an Wagners Satz, dass Singen die «leidenschaftliche Form des Sprechens» sei. Textverständlichkeit war von den Opernlegenden (neben Holl unter anderem Anja Silja, Gabriele Schnaut und Thomas Moser) im Finale des Münchner ARD-Wettbewerbs vermisst...
Regisseur Calixto Bieito empfängt uns im ersten Aufzug seines «Tannhäuser» nicht mit einer Lusthölle, sondern mit einem Naturidyll. Die triebgesteuerte Unterwelt der Venus ist für den Spanier keine pornografische Zwangsveranstaltung, in der Tannhäuser die Luft zum Atmen dünn wird, sondern ein friedliches Reich voll frischen Grüns und zarter Sinnlichkeit....
ARD-ALPHA
1.11. – 20.15 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Haydn: Symphonie Nr. 97 C-Dur; Bernstein: Chichester Psalms.
7./21.11. – 22.00 Uhr
KlickKlack.
Musikmagazin.
8.11. – 11.00 Uhr (1)
15.11. – 11.00 Uhr (2)
22.11. – 11.00 Uhr (3)
29.11. – 11.00 Uhr (4)
Lorin Maazel dirigiert
Schubert: 1. Symphonie Nr. 4
c-moll. 2. Symphonie Nr. 5
B-Dur. 3. Symphonie Nr. 6
C-Dur. 4. Symphonie...
