Im goldenen Käfig
Wir sind, wohin wir gehören, wenn sich der Vorhang hebt. Im Theatermuseum nämlich. Überrascht blicken wir auf das Arrangement, das wie ein Gemälde von Edgar Degas anmutet: Tänzerinnen in gefrorenen Posen. Die Erinnerung wirft Schatten. Nur der Rauch, der sich links am Portal kringelt, verheißt Leben: Ein Mann, der sich im Laufe des Abends als Procida herausstellt, hier offenbar der Ballettmeister, zieht an einer Zigarre und liest Zeitung. Plötzlich wird die Degas-Idylle brutal zerstört, Militär stürmt herein, Franzmänner; Gekreisch, Gezeter, Gezerre.
Der Maître findet sich gekrümmt am Boden, zusammengeschlagen. Und der Anführer der Soldateska, später als Montfort identifiziert, verlustiert sich rücksichtslos an einer Tänzerin.
In dieser Szene, die Regisseur Stefan Herheim bei seiner ersten Regie für Londons Covent Garden zur Ouvertüre von Verdis «Les Vêpres siciliennes» arrangiert, erleben wir die Vorgeschichte dieses Stücks zwischen Zeitlupe und Zeitraffer, denn in weiterer Folge gebiert die Vergewaltigte eine Sohn, erzieht den Heranwachsenden im Hass gegen den Vater – wobei sie ihn über dessen Identität im Unklaren lässt (wie denn auch der Vater vom Sohne lange nichts weiß ...).
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard Persché
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