Nomaden vor Donaustauf
Oscar Wildes Sottise, nur Leute, die ihre Rechnungen auch bezahlten, brauchten Geld, sieht sich nicht erst seit der Banken- und Eurokrise ad absurdum geführt. Denn die Regierungen in aller Welt fordern seit Langem stets mehr und mehr Geld, ohne ihre Rechnungen je wirklich bezahlen zu können. Wobei sie bei der Beschaffung der Mittel durchaus Loges Rat an Wotan, «durch Raub!», zu folgen scheinen.
Auch der Göttervater begleicht seine Schuld an Fasolt und Fafner ja nicht aus der eigenen Schatulle; allerdings muss nicht der Steuerzahler den Kopf hinhalten, sondern Alberich, der schlimme Gauch, dessen Gold Wotan durch üble Tricks entwendet. In Linz, im neuen «Rheingold», ist mit dem Edelmetall indes kein großer Staat zu machen: eine Art goldenes Krinolinengestell, mit Geschmeide behangen, dazu ein Brustpanzer und ein goldener Kopfputz. All dies wird um und auf Freia drapiert, um die Riesen endlich zu befriedigen.
Das passt zum Ambiente. Denn «Das Rheingold» spielt in der Inszenierung Uwe Eric Laufenbergs, des ehemaligen Kölner und künftigen Wiesbadener Intendanten, zunächst unter Nomaden: Wotan und seine Familie leben im Zelt und aus Kisten (Bühne: Gisbert Jäkel). Freilich schleppt man ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard Persché
Das Gold glänzt, doch sein Glanz ist trügerisch. Hinter dem schönen Schein verbergen sich unselige Machtspiele: die Heuchelei der Kirche, die Selbstherrlichkeit des Militärs, die unzählige Opfer fordert. Damit die Fassade schön strahlt, wienern Reinigungskräfte mit Wischmob, Staubwedel und Putztuch an Tempel und Palast herum. Immer, wenn sich der Vulkantempel dreht...
Da liegt einer, mit einem Leichentuch zugedeckt. Regt sich, setzt sich auf: Siegfried! Staubig-soldatisches Aussehen: geschorener Schädel, Stiefel, schlammfarbene Hose, der Oberkörper in Verbände gewickelt, im Rücken Blutspuren von der tödlichen Wunde, die Hagen ihm mit dem Speer zugefügt hat. Wiederauferstanden von den Toten. Und man merkt, dass er viel Zeit...
Telramund sucht Elsa vor Lohengrin zu verstecken. Die beißt dem Intriganten dafür nach Kräften in die Hand. Vor dem großen Hochzeits-Event steigt die Truppe ins Dampfbad, werden vom Heerrufer in der Kluft des Stabsarztes Gewicht und Schädelumfang kontrolliert. Zuvor hatte der die darbende Menge aus der Gulaschkanone versorgt. Den Brabantern geht’s mies, und der...
