Der schöne Schein
Das Gold glänzt, doch sein Glanz ist trügerisch. Hinter dem schönen Schein verbergen sich unselige Machtspiele: die Heuchelei der Kirche, die Selbstherrlichkeit des Militärs, die unzählige Opfer fordert. Damit die Fassade schön strahlt, wienern Reinigungskräfte mit Wischmob, Staubwedel und Putztuch an Tempel und Palast herum. Immer, wenn sich der Vulkantempel dreht und in den Palast verwandelt (und vice versa), lassen Scheinwerfer die Fassade gleißen, dass sich mancher im Publikum in der Opéra Bastille die Hand über die schmerzenden Augen legt.
Man sieht sich zum Wegschauen gezwungen: Die Pracht der Macht hat Olivier Py in seiner «Aida»-Inszenierung zu einer im Wortsinn einleuchtenden Regie-Metapher gesteigert.
Eine Anklage gegen den Zynismus der Macht und ein Plädoyer für dessen Opfer legt der frisch inthronisierte Leiter des Theaterfestivals in Avignon vor. Unterdrückte Freiheitskämpfe, Nationalismus, Kolonialismus, Fremdenhass, all das evoziert die Inszenierung in eindringlichen Bildern. Während des Vorspiels, vor der Silhouette einer zerschossenen Stadt, schwenkt ein Freiheitskämpfer die italienische Fahne und wird von Soldaten brutal zusammengeknüppelt. Der Bote, der dem ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Mathias Nofze
Wer nur für einen halben Tag nach Madrid reist, bekommt den südeuropäischen Moloch mit seinen sozialen Brennpunkten kaum zu sehen; er kann sich auf einen idyllischen Stadtausschnitt um das Teatro Real beschränken, über die arkadengesäumte Plaza Mayor (hinter der das Gewirr der Altstadtgassen beginnt) und zum einen Steinwurf entfernten Königspalast schlendern (aber...
Einer der besten Sätze von Tante Jolesch ist folgender: «Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus». Zumindest in Österreich hat das Zitat aus Friedrich Torbergs Buch Eingang in den Sprichwortschatz gefunden. Nach diesem Maßstab gibt sich die Neuinszenierung von Puccinis «La fanciulla del West» an der Wiener Staatsoper extrem luxuriös: Jonas Kaufmann...
Für den imaginären, idealen Solisten waren die Arien nie gedacht. Barocke Oper, das hieß vor allem Maßanfertigung – egal, ob das durch den dramatischen Augenblick gerade motiviert war oder nicht. Eventuelle Schwächen der Stars wurden gekonnt kaschiert: War die Stimme zu wenig umfangreich, wurde mehr Zierrat eingeflochten. Und war die Kollegin in den Wiederaufnahmen...
