Was schöner ist als ein Aff'...
Einer der besten Sätze von Tante Jolesch ist folgender: «Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus». Zumindest in Österreich hat das Zitat aus Friedrich Torbergs Buch Eingang in den Sprichwortschatz gefunden. Nach diesem Maßstab gibt sich die Neuinszenierung von Puccinis «La fanciulla del West» an der Wiener Staatsoper extrem luxuriös: Jonas Kaufmann ist mit seinem Partiedebüt als Dick Johnson zu erleben.
Er sieht nicht nur glänzend aus, sondern singt auch so, zumindest über weite Strecken, setzt oft aufs Verhaltene, bleibt aber auch im Auftrumpfen größtenteils souverän. Beckmesser könnte freilich anmerken, dass er gelegentlich auf die Tücken dieser Partie hereinfällt, da er die Stimme in der Mittellage (zu) breit zu machen und dadurch seiner Höhe – etwa den beiden hohen B’s in «Ch’ella mi creda» – etwas vom Squillo zu rauben scheint.
An Kaufmanns Seite die Titelheldin in Gestalt von Nina Stemme – optisch mit Pumuckl-Perücke und im ersten Akt mit Latzhose (Kostüme: Dagmar Niefind) nicht eben bevorteilt, vom Typ her auch kein verwunschenes Mädchen mehr. Doch das vergisst man, wenn sie singt: überzeugend, mit stählernem Klang, aber auch mit weicher, inniger Tongebung in ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Zweitausenddreizehn ist Verdi-Jahr. Oder eher Wagner-Jahr mit einem kleinen Verdi-Anhang? Jedenfalls fand in Italien der «bicentenario verdiano» kaum statt. Was allerdings weniger an Wagner liegt als an der aktuellen Krise Italiens. Zwar hat das römische Parlament über sechs Millionen Euro zur Feier von Verdis 200. Geburtstag zur Verfügung gestellt. Aber diese...
An der Längswand des von Alban Ho Van auf die Bühne der Oper zu Lyon gebauten modern-zeitlosen Refektoriums steht das Motto «Nous avons cru à l’amour de Dieu pour nous» («Wir haben an die Liebe Gottes zu uns geglaubt»): ein Satz wie in Asche liegend, zugleich ein verborgen glühender Text. Er nimmt das Sterben der Alten Priorin vorweg, ihr entsetztes «Dieu nous...
Da liegt einer, mit einem Leichentuch zugedeckt. Regt sich, setzt sich auf: Siegfried! Staubig-soldatisches Aussehen: geschorener Schädel, Stiefel, schlammfarbene Hose, der Oberkörper in Verbände gewickelt, im Rücken Blutspuren von der tödlichen Wunde, die Hagen ihm mit dem Speer zugefügt hat. Wiederauferstanden von den Toten. Und man merkt, dass er viel Zeit...
