Schiffsmeldungen aus dem hohen Norden
Der Motor schnurrt, die Scheibenwischer schmatzen. Im Radio läuft BBC Radio 3. Der Flughafenbus-Fahrer macht eine wegwerfende Geste in Richtung des Marmor-Eisbergs unten am Wasser: «Wir haben einfach zu viel Geld», lacht er. Einspruch! Erstens, weil der Snøhetta-Bau zu den schönsten Opernhäusern der Welt gehört. Wie einfallslos und museal nimmt sich dagegen ein neoklassizistischer Tempel wie das neue Haus in Astana aus (S. 68)! Die helle Kühle des Marmors, die satte Wärme des Eichenholzes. Die weiten Glasflächen, die das Foyer öffnen für das Spiel von Licht und Wind auf dem Fjord.
Zweitens, weil die Osloer das neue Wahrzeichen mit den begehbaren Dachschrägen inzwischen ganz selbstverständlich nutzen. Zum Spazierengehen, Sonnenbaden, für Stelldicheins und Hochzeitsfotos.
Durch ihr künstlerisches Programm hat Den Norske Opera & Ballett bisher allerdings nicht viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der neue Operndirektor, Per Boye Hansen, will das ändern. Die erste von ihm geplante Spielzeit hat er mit der berühmten Fura-dels-Baus-Produktion von Ligetis «Grand Macabre» eröffnet. Eine norwegische Erstaufführung. Die erste Neuinszenierung ist Glucks «Orfeo ed Euridice» – auch eine ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Wiebke Roloff
Die Zauberin Armida, die gegen ihren Willen dem Kreuzritter Ronaldo verfällt, hat auch einer Menge Komponisten der letzten 400 Jahre den Kopf verdreht. Von Lully bis Dvorák – wer hat nicht alles die Story vertont! Gluck tat es 1777 in Paris, bereits als berühmter Opernreformer. «Armide» hat allerdings nicht die Stringenz und dramatische Kraft seiner anderen...
Die großen «runden» Jubiläen haben nicht selten auch etwas vom «Trojanischen Pferd»: Sie machen viel her, blockieren aber die kreative Rezeption. Das Mozart-Jahr 2006 belegte dies: War der Trubel, zumal in Wien und Salzburg, immens, so wurde in der Folge Mozart auf den Konzertprogrammen eher rar. Wie sich die Wagner- und Verdi-Feierei 2013 auswirkt, bleibt...
Telramund sucht Elsa vor Lohengrin zu verstecken. Die beißt dem Intriganten dafür nach Kräften in die Hand. Vor dem großen Hochzeits-Event steigt die Truppe ins Dampfbad, werden vom Heerrufer in der Kluft des Stabsarztes Gewicht und Schädelumfang kontrolliert. Zuvor hatte der die darbende Menge aus der Gulaschkanone versorgt. Den Brabantern geht’s mies, und der...
