Hinderliche Erinnerungen

Tschaikowsky: Eugen Onegin London / Royal Opera House

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Mit Tschaikowskys «Eugen Onegin» an Londons Royal Opera House hat der Däne Kaspar Holten, seit 2011 Operndirektor des Hauses, jetzt sein Regiedebüt in der britischen Musiktheaterszene gegeben: Die «lyrischen Szenen» waren ihm schon lange ein Anliegen, wie er oft betont hat. Die Erwartungen an diesen Theaterabend lagen entsprechend hoch – und wurden doch nur zum Teil erfüllt.

Vor allem die Feinzeichnung der Charaktere und das lebhafte Zusammenspiel der Darsteller weisen Holten als begabten und erfahrenen Regisseur aus.

Als problematisch erwies sich allerdings seine Entscheidung, dem Protagionistenpaar zwei Tänzer als jüngere Inkarnationen ihrer selbst an die Seite zu stellen. Zwar ist es an sich keine schlechte Idee, erlebte Erinnerung zu visualisieren; doch in der Praxis entpuppten sich die Doubles von Onegin und Tatjana eher als ablenkend und hinderlich für das Sängerpaar, das seine Doppelgänger kaum je aus den Augen lassen durfte. Schlimmer noch: Simon Keenlyside, einem Sängerdarsteller von beträchtlichem vokalem Format und physischer Statur, wird selbst in der Duell-Szene von seinem stummen Abbild die Show ­gestohlen: Den tödlichen Schuss auf Lenski gibt nämlich nicht etwa der ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von George Hall

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