Auf der Schwelle

Spontini: Die Vestalin Karlsruhe / Badisches Staatstheater

Opernwelt - Logo

Es war sicher nicht nur Bewunderung, die Richard Wagner für Gaspare Spontini hegte. Man spürt auch leise Ironie, wenn der Sachse in seinen Erinnerungen «Mein Leben» von den Begegnungen mit dem fast vier Jahrzehnte älteren Star des Opernbetriebs aus Italien spricht – der Erfolg der anderen war ihm nicht selten suspekt.

Dem Erfolg jedoch sollte keine Nachhaltigkeit beschieden sein.

Wen, außer Musikwissenschaftler, interessiert es heute noch, ob Spontini in seinem erfolgreichsten Werk «La Vestale» – die Uraufführung 1807 im napoleonischen Paris wurde zum Triumph – den Vorhalt der Sexte erstmals in die Oper eingebracht hat? Eines zumindest zeigt die Neuproduktion am Badischen Staatstheater Karlsruhe ganz deutlich: «Die Vestalin» befindet sich auf der Schwelle zwischen Gluck, der Revolutionsoper und der Romantik. Vieles glaubt man wiederzuerkennen, irgendwie. Den etwas älteren «Fidelio» zum Beispiel, die Arie «Noble héros» der Titelheldin Julia klingt sehr nach Beethoven. Das Spannendste an der Musik aber ist ihre Dramaturgie, die schon vieles vorwegnimmt, was man später – freilich vollendeter – bei Wagner, Berlioz oder Verdi hört.

Johannes Willig sucht solche Perspektiven mit großer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Bei Hempels unterm Sofa

Wären «Die Feen» (1833) nicht von Wagner – kein Mensch würde sich für diesen Aufguss barock-romantischer Ritter- und Zauberspektakel interessieren. Es gibt wichtigere und bessere Stücke der Zeit und des Genres, wie Fouqués «Undine», Spontinis «Agnes» und Offenbachs «Rheinnixen». Auch Meditationen darüber, dass der Komponist erst 20 war, sind nicht abendfüllend....

Hohe Frauen, hysterische Männer

Schon die ersten Takte der Ouvertüre, von der Hofkapelle München unter dem Energiebündel Michael Hofstetter markig musiziert, reißen den Hörer in die Welt des Sächsischen Hofes von 1742 hinein. Das ist berauschend feurige Musik, die Spaß macht. Und sie kann nicht nur die Muskeln spielen lassen, sondern im dritten Satz der Eröffnungs-Sinfonia, einem höfischen...

Wurstlprater und Irrenhaus

Der Opernkomponist Franz Schubert wird es wohl nie zum Repertoirekomponisten schaffen, obwohl immer wieder und teilweise grandiose Aufführungen gelingen. Jetzt nahm sich das Mainfranken Theater Würzburg der frühesten Schubert-Oper an, die – auch das ist typisch – mehr als hundert Jahre auf ihre Uraufführung warten muss­te: «Des Teufels Lustschloss», komponiert...