Hohe Frauen, hysterische Männer

Michael Hofstetter experimentiert mit Hasses noch immer ungedruckter «Didone abbandonata»

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Schon die ersten Takte der Ouvertüre, von der Hofkapelle München unter dem Energiebündel Michael Hofstetter markig musiziert, reißen den Hörer in die Welt des Sächsischen Hofes von 1742 hinein. Das ist berauschend feurige Musik, die Spaß macht. Und sie kann nicht nur die Muskeln spielen lassen, sondern im dritten Satz der Eröffnungs-Sinfonia, einem höfischen Menuett, auch schmachtend galant sein.

Dann wird in einem kurzen Secco-Rezitativ die Ausgangslage von Johann Adolph Hasses «Didone abbandonata» exponiert: Aeneas muss nolens volens Dido verlassen, um seinen historischen Auftrag zu erfüllen, Italien zu gründen. Das Secco geht in ein Accompagnato über, das die Gewissenskonflikte des zwischen Liebe und Pflicht zerrissenen Helden schildert und in den auf Don Ottavio («Il mio tesoro... ditele...») vorausweisenden Ausruf «Ah che parlar non so. / Spiegalo tu per me. – Ach, dass ich nicht sprechen kann. Erklär du es ihr für mich» mündet. Peinliches Schweigen: «Che vuol dir quel silenzio?» Hofstetter dehnt die Pause unerträglich lang: Ein Dirigent, der mitdenkt. Man ist elektrisiert. Und so geht es fort. Mit schroffen Temporückungen, affektbetonter Artikulation und abgerissenen Phrasen ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Boris Kehrmann

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