Hohe Frauen, hysterische Männer
Schon die ersten Takte der Ouvertüre, von der Hofkapelle München unter dem Energiebündel Michael Hofstetter markig musiziert, reißen den Hörer in die Welt des Sächsischen Hofes von 1742 hinein. Das ist berauschend feurige Musik, die Spaß macht. Und sie kann nicht nur die Muskeln spielen lassen, sondern im dritten Satz der Eröffnungs-Sinfonia, einem höfischen Menuett, auch schmachtend galant sein.
Dann wird in einem kurzen Secco-Rezitativ die Ausgangslage von Johann Adolph Hasses «Didone abbandonata» exponiert: Aeneas muss nolens volens Dido verlassen, um seinen historischen Auftrag zu erfüllen, Italien zu gründen. Das Secco geht in ein Accompagnato über, das die Gewissenskonflikte des zwischen Liebe und Pflicht zerrissenen Helden schildert und in den auf Don Ottavio («Il mio tesoro... ditele...») vorausweisenden Ausruf «Ah che parlar non so. / Spiegalo tu per me. – Ach, dass ich nicht sprechen kann. Erklär du es ihr für mich» mündet. Peinliches Schweigen: «Che vuol dir quel silenzio?» Hofstetter dehnt die Pause unerträglich lang: Ein Dirigent, der mitdenkt. Man ist elektrisiert. Und so geht es fort. Mit schroffen Temporückungen, affektbetonter Artikulation und abgerissenen Phrasen ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Boris Kehrmann
In einem Artikel über ihn lasen wir in einer Schweizer Zeitschrift einmal die schöne helvetische Wortschöpfung «Schubladisierung». John Eliot Gardiner hatte sich vehement gegen eine solche ausgesprochen, weigerte sich entschieden, mit dem Etikett eines auf Alte Musik fokussierten Spezialisten beklebt zu werden. «Das bin ich in dieser Ausschließlichkeit nicht, war...
Auch Königin Margrethe II. von Dänemark – Opernenthusiastin und regelmäßiger Gast in der Königlichen Oper – applaudierte dem angehenden Jubilar: Krzysztof Penderecki, der dieses Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, war zur Weltpremiere der Neufassung seiner «Teufel von Loudun» nach Kopenhagen gekommen. Ein schöner Coup für das Haus, das nach den Querelen um die...
Intendant Jens Neundorff hat seine erste Spielzeit am Regensburger Theater mit dem Motto «Zeit» überschrieben – und eine Adaption von Tom Tykwers Film «Lola rennt» (1998) auf den Spielplan gesetzt. Die Filmhandlung: Manni hat 100 000 Mark in der U-Bahn liegenlassen. Seine Freundin Lola hat 20 Minuten Zeit, das Geld aufzutreiben, sonst wird der, dem das Geld...
