Hermanns Erzählungen
Der Abend könnte auch Hermanns Erzählungen heißen. Tschaikowskys Hermann und Offenbachs Hoffmann sind Brüder im romantischen Geiste – fragile Existenzen, die, wie der britische Germanist Roger Paulin schreibt, «sehr leicht ins Dämonisch-Fratzenhafte, ja ins Verbrecherische abgleiten» können. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr erzählt in ihrer Freiburger «Pique Dame»-Inszenierung Fantasiestücke à la E. T. A. Hoffmann.
Der tragische Held, der im Unterschied zu Hoffmann nicht an drei Frauen, sondern an drei Karten scheitert, ist fast immer auf der Bühne, durchlebt sein Schicksal alptraumgleich. Wie schon in Höckmayrs «Otello» spielt die Drehbühne eine zentrale Rolle. Nina von Essen und Rena Donsbach haben darauf eine Konstruktion verschachtelter, vertäfelter Bühnenportale gestellt, die unterschiedliche perspektivische Optionen bietet. Die großen Ensembleszenen, Maskenball und Spielsaal, bekommen dadurch mehrere theatrale Ebenen. Im ersten Fall ist das eine ideale Konstellation für das Rokoko-Schäferspiel im Spiel, im zweiten bereitet das Aufeinanderprallen von Innen- und Außenwelt die Katastrophe vor. Julia Röslers Kostüme zwischen Ancien Régime, Romantik (die weißen Tutus der jungen ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Alexander Dick
Ein Schluss, wie er im Buche steht. Längst haben Hagens Mannen Siegfrieds Katafalk aus Stühlen aufgeschichtet, als Brünnhilde erscheint, das Gesicht unterm Witwenschleier verhüllt und ein Flämmchen tragend, als wär’s das der Freiheitsstatue. Selbst wenn sie sich am Ende nicht aufs hohe Ross schwingt, scheint das ganze Theater unter ihren Füßen zu entflammen. Wüstes...
Der 1986 erschienene Roman «Das große Heft» der französisch schreibenden Exil-Ungarin Ágota Kristóf gehört, gerade weil er sich in seiner lakonisch-nüchternen Schreibweise nicht um das Innenleben der Figuren kümmert, zu den beklemmendsten Texten, die je über den Krieg geschrieben wurden. Er handelt von neunjährigen Zwillingsbrüdern, die bei Kriegsausbruch zu ihrer...
Großer Bahnhof vor dem Bahnhof. Dem von einst, der heute ein Festspielhaus ist. Baden-Baden, der erste Abend der «neuen» Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker. Ein Anblick fast wie in der Salzburger Hofstallgasse, der das Orchester den Rücken kehrte. Eine Schwadron von Reisebussen aus ganz Baden-Württemberg und dem nahen Ausland. Hoch- und Erwartungsstimmung...
