Der Kuss der Königin
Großer Bahnhof vor dem Bahnhof. Dem von einst, der heute ein Festspielhaus ist. Baden-Baden, der erste Abend der «neuen» Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker. Ein Anblick fast wie in der Salzburger Hofstallgasse, der das Orchester den Rücken kehrte. Eine Schwadron von Reisebussen aus ganz Baden-Württemberg und dem nahen Ausland. Hoch- und Erwartungsstimmung allenthalben. Hielte man fest, ein Hauch von Großevent liege in der Luft – man untertriebe. Baden-Badens Intendant Andreas Mölich-Zebhauser ist ein Meister der Event-Ausrichter.
In der Gönner-, Förderer- und Sponsorenpflege rangiert er direkt hinter Alexander Pereira.
Sieht man, wie die betuchten Festspielunterstützer sich ein künstlerisches Luxusgelage bereiten, beginnt’s einem im Magen zu grimmen. «Mit links», denkt man beiseite – mit einem kleinen Teil der an der Oos eingesammelten Millionen könnten die Herrschaften ihrem am Existenzminimum herumkrebsenden tapferen Stadttheater daheim einen ordentlichen Schubs in Richtung Planungssicherheit verpassen – und das bei einer Programmierung, die dramaturgische und ästhetische Zusammenhänge oft weit eher anstrebt als die Baden-Badener Hochglanz-Zyklen, für die ein Weltstar dem ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Heinz W. Koch
Als er noch nicht der große Meister war, sondern ein kleiner Kapellmeister mit hochfliegenden Plänen, saß Richard Wagner eines Abends – es wird 1838 gewesen sein – in seiner Rigaer Wohnung und war angeregt von zwei Büchern. Das eine bot Erzählungen von Wilhelm Hauff, darunter das «Gespensterschiff». Das andere konfrontierte ihn mit dem Roman über einen...
Peter Eötvös entschied sich in seiner Oper «Drei Schwestern» ganz bewusst für Künstlichkeit: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, die Figuren sprechen von sich in der dritten Person. Tschechows Drama ist auseinandergeschnitten und neu zusammengesetzt; statt der vier Akte gibt es drei große Sequenzen, die jeweils einer Hauptfigur gewidmet sind – Irina,...
Sie hätte weggehen können. Nach Europa oder nach Südamerika. Wohin auch immer. Raus aus dem lebensgefährlichen Chaos, in das der Bürgerkrieg die Stadt und das Land gestürzt hatte. Damals, als in Beirut die Straßenkämpfe begannen. Als Scharfschützen von Dächern und aus Hochhäusern auf alles schossen, was sich bewegte. In wechselnden Koalitionen, bis niemand mehr...
