Missbrauchte Kindheit
Der 1986 erschienene Roman «Das große Heft» der französisch schreibenden Exil-Ungarin Ágota Kristóf gehört, gerade weil er sich in seiner lakonisch-nüchternen Schreibweise nicht um das Innenleben der Figuren kümmert, zu den beklemmendsten Texten, die je über den Krieg geschrieben wurden. Er handelt von neunjährigen Zwillingsbrüdern, die bei Kriegsausbruch zu ihrer von den Dorfbewohnern als Hexe verschrienen Großmutter gebracht werden. Um zu überleben, müssen sie sich abhärten und so roh und mitleidlos wie ihre Umwelt werden. Was sie dabei erleben, tragen sie in ein Heft ein.
Als einzige Regel gilt: «Der Aufsatz muss wahr sein.» Der in Mannheim als Kompositionsprofessor lehrende Amerikaner Sidney Corbett hat aus der Vorlage, mit librettistischer Unterstützung des Osnabrücker Intendanten Ralf Waldschmidt, einen epischen Bilderbogen von 23 Szenen gezogen, der sich konsequent an die Protokolle der Kinder hält.
Dabei bewahrt Corbetts Version sowohl in der Dramaturgie wie in der Musik streng den Geist der Vorlage. Auch Corbett stellt die Figuren – allein schon dadurch, dass die beiden namenlosen Zwillinge immer mit gleichsam einer Stimme singen – geradezu holzschnittartig auf die Szene ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Uwe Schweikert
Den Verstand zu verlieren über Wagners «Weltabschiedswerk» galt lange als gute Tradition. Zumal im Bayreuther Festspielhaus, für dessen «mystischen Abgrund» der Meister sein opus summum bekanntlich konzipierte. Woher die Klänge kommen, wie sich Stimmen, Strukturen und Farben mischen – darüber sollte das Publikum staunend rätseln wie Gurnemanz über die Herkunft des...
Linz
feiert mit der Eröffnung seines neuen Musiktheaters ein kulturelles Großereignis. 1200 Zuschauern bietet der Große Saal Platz, 32 Meter Durchmesser hat die Drehbühne. Eröffnet wird, unter anderem, mit einer Uraufführung: Philip Glass hat sich mit Peter Handkes «Spuren der Verirrten» beschäftigt.
«Eugen Onegin»
Peter Tschaikowskys Puschkin-Oper erlebt derzeit...
Herr Friedrich, in Deutschland gibt es vor allem zwei Komponisten, mit denen man als Chor-Dirigent bekannt werden kann: Bach und Wagner. Richtig?
Das hängt bei Wagner natürlich vor allem mit der exponierten Bedeutung von Bayreuth zusammen. Und damit, dass die Chöre bei Wagner und Bach eine echte Aussagefunktion haben. Man hat seinen Spaß daran.
War der Wagner-Akzent...
