Das Höchste: Ein Liebestod

In Köln bemüht sich Carlus Padrissa um «Parsifal», in Essen Joachim Schloemer. Eliahu Inbal gelingt mit Tatjana Gürbaca in Antwerpen eine exemplarische Deutung.

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Den Verstand zu verlieren über Wagners «Weltabschiedswerk» galt lange als gute Tradition. Zumal im Bayreuther Festspielhaus, für dessen «mystischen Abgrund» der Meister sein opus summum bekanntlich konzipierte. Woher die Klänge kommen, wie sich Stimmen, Strukturen und Farben mischen – darüber sollte das Publikum staunend rätseln wie Gurnemanz über die Herkunft des reinen Toren. Mit der Mär von Monsalvat zielte er nicht nur auf eine neue ästhetische Erfahrung, sondern auf spirituelle Erleuchtung, auf «metaphysische Einkehr» (Ernst Bloch).

Deshalb der kunstreligiöse Unter­titel: «Bühnenweihfestspiel». Deshalb die zeremonielle Aura. Oper als Oratorium, als Ersatzmesse, als kollektives Ritual.

Aber eben auch: modernes Traumtheater, Parcours des Unbewussten, Zukunftsmusik. Ein erhaben-unwiderstehlicher Klangstrom, Adagio-Droge von halluzinogener Kraft. «Schöne lange Weile» (Dieter Schnebel) und schäumende Erregung, feierliche Statik und kühne chromatische Bewegung. Wagners Bilanzstück, das Kelch und Schwert, Kreuz und Gral gegen die Oper als amusement in Stellung bringt, gegen die (vermeintlich) hohle Pracht der grand opéra. Zumutung und Offenbarung. Unendlich viel steckt in «Parsifal» ...

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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann

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