«Edelstahl, wo andre Blumen streuen»
Neben und nach Wagner hatten es alle deutschen Opernkomponisten schwer. Auch für Parteigänger wie Peter Cornelius und Hugo Wolf blieb nur die Nische des musikalischen Lustspiels reserviert. Und Sinfoniker wie Brahms, Bruckner und selbst der als Operndirigent höchst erfahrene Mahler sind dem Musiktheater konsequent ausgewichen. Allein Schumann hat Wagner auf diesem Feld herausgefordert. Seine einzige Oper «Genoveva» hatte 1850, im selben Jahr wie «Lohengrin», ihre Premiere.
Während die Mär vom Schwanenritter schnell zu einem der erfolgreichsten Werke Wagners wurde, brachte es Schumanns Bühnenversuch nach der zurückhaltend aufgenommenen Leipziger Uraufführung nur auf zwei weitere Vorstellungen. Das Odium des Misserfolgs, ja des Misslingens haftet dem Werk bis heute an. Seine Musik gilt, seit Eduard Hanslicks Verdikt, als undramatisch.
Am entschiedensten hat diesem (Vor-) Urteil in jüngster Zeit Nikolaus Harnoncourt widersprochen. Für ihn ist «Genoveva» die bedeutendste Opernkomposition aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie sei, so hat er mehrfach geäußert, nichts Geringeres als eine «Neuerfindung der Oper». Schumanns imaginäre Bühne der Musik bildet Handlung nicht ...
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