Stil und Handwerk
Ursula Nusser: Herr Mösch, stehen wir vor einer Karajan-Renaissance?
Stephan Mösch: Das würde ich nicht sagen. Solche Jubiläen haben ja immer viel mit medialem Geklingel zu tun. Ich denke, es ist wichtig, Karajan aus dem Abstand heraus zu sehen. Wir brauchen zu diesem hundertsten Geburtstag weder eine Verherrlichung noch eine Verdammung oder Verachtung Karajans. Es ist an der Zeit, ihn vorurteilsfrei zu beleuchten als zentralen Dirigenten des 20. Jahrhunderts.
Nusser: Herr Watzel, Sie sind seit 1968 Mitglied der Berliner Philharmoniker, haben also den Chefdirigenten Karajan einundzwanzig Jahre lang erlebt. Ganz persönlich gefragt: Wie stehen Sie heute zu Karajan?
Rudolf Watzel: Karajan bleibt mir unvergessen, weil ich als Orchestermusiker Dinge erlebt habe, die einmalig waren bei ihm, gerade vom Dirigentischen her. Ganz einmalig war seine Fähigkeit, ein Orchester im Konzert von A nach B zu führen, einen Übergang etwa bei einer Bruckner-Symphonie so zu gestalten, dass keiner vom Orchester spürte, wie sich das Tempo verändert. Und seine Fähigkeit, ein «Super»-Legato zu erzielen im ganzen Orchester und dadurch ein einzigartiges Espressivo-Spiel hervorzurufen.
Nusser: Ist denn eine ...
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Opernwelt April 2008
Rubrik: Thema, Seite 34
von Ursula Nusser, Stephan Mösch, Erich Singer, Rudolf Watzel
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