Aufgewärmt
Benjamin Britten, genau hundert Jahre jünger als Verdi und Wagner, ist der wichtigste Bühnenkomponist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch scheint er – zumindest im Vergleich zu den beiden anderen «Jahresregenten» – in diesem Jubiläumsjahr nicht gerade hektisch gefeiert zu werden. Bei den Neuveröffentlichungen von Britten-Opern auf DVD hält man sich bislang eher ans Gestern. Vor sieben Jahren, zum 30. Todestag des Komponisten, hatte Arthaus dem «Orpheus Britannicus» eine DVD-Kassette mit acht seiner Bühnenwerke gewidmet.
Auch das zunächst ohnehin fürs Fernsehen geschaffene Pazifisten-Drama «Owen Wingrave» war darunter, in Margaret Williams’ subtiler, mit viel Poesie zwischen Realismus und Surrealem pendelnder TV-Inszenierung für Channel Four (2001). Nun legte das Label diese Produktion als Einzel-DVD wieder auf. Sie lebt vor allem von der Persönlichkeit Gerald Finleys, der den Konflikt des Titelhelden mit seiner dem Kriegshandwerk ergebenen Familie mitreißend gestaltet – bis hin zum tragischen Ende. Eindrucksvoll auch Josephine Barstow als starrsinnige Patriarchin der Wingraves sowie Peter Savidge als Spencer Coyle, Owens verständnisvoller Lehrer in der Militärakademie. ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Gerhard Persché
Reisen wäre eine Möglichkeit. Einfach «die Zeit genießen». Aber auf keinen Fall eine Buffa komponieren, wie am Ende dieses Stücks gewarnt wird – noch dazu nach dem «Falstaff». Friedrich Cerha hat es trotzdem gewagt fürs Münchner Gärtnerplatztheater. Eigentlich hatte der jetzt 87-Jährige von der Oper genug nach drei eigenen Bühnenwerken und der Komplettierung von...
Strauss’ «Capriccio»: verkanntes Alterswerk oder dramaturgisches Monstrum? Die Antwort hängt von der Tagesform ab. Zweieinhalb Stunden lang wärmen eine Gräfin und ein Graf, ein Theaterdirektor, ein Musiker, ein Dichter und eine Schauspielerin die alte Polemik auf: «prima la musica» oder «prima le parole»? Sie wollen Musik und Text fruchtbar zu einer Oper verweben....
Die Opern von Richard Strauss gehören in Glyndebourne seit Jahrzehnten zum Repertoire. Katharina Thomas hätte ihre Neuproduktion von «Ariadne auf Naxos» also gar nicht mit künstlichem Lokalkolorit schminken müssen, um dem Publikum ihr britisches Regiedebüt schmackhafter zu machen. Dennoch verlegt sie Prolog und Oper unverkennbar ins Glyndebourner Landhaus von...
