Lob der Ironie
Strauss’ «Capriccio»: verkanntes Alterswerk oder dramaturgisches Monstrum? Die Antwort hängt von der Tagesform ab. Zweieinhalb Stunden lang wärmen eine Gräfin und ein Graf, ein Theaterdirektor, ein Musiker, ein Dichter und eine Schauspielerin die alte Polemik auf: «prima la musica» oder «prima le parole»? Sie wollen Musik und Text fruchtbar zu einer Oper verweben. Zu einer Oper über sich selbst, über ebendiese Debatte. Zu guter Letzt muss noch geklärt werden, ob sich die Dame des Hauses nun für den Musiker oder den Sänger entscheidet.
Antwort: für keinen, denn es geht ja um Synthese. Das Ganze lässt sich als Gegenstand intellektueller Rätselspiele gut ertragen, und über die Qualität der Musik müssen wir nicht streiten. Bühnenwirksamkeit stellt sich allerdings nicht von selbst her.
Diese Aufgabe hat Intendant Serge Dorny einem Regisseur übertragen, der sich mit Musiktheater-Projekten «nach» Komponisten (wie «Lulu» nach Wedekind und Berg) einen Namen gemacht hat: David Marton. Beinahe ist es schade, dass er in seiner ersten «vollgültigen» Opernregie so nah am Werk bleibt. Die Inszenierung geht subtil analytisch vor (ebenso analytisch: Christian Friedländers Bühne, ein Querschnitt ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff
Puccinis Triptychon aus «Il tabarro», «Suor Angelica» und «Gianni Schicchi» ist kein «Ring des Nibelungen» mit eng verklammerten musikalischen Strukturen und dramaturgisch einheitlichem, weltdeutendem Zugriff. Musikforscher und Regisseure tun sich deshalb schwer, die unterschiedlichen Einakter überhaupt als drei Flügel eines Bildes zu begreifen – zumal auch...
Solche Entdeckungen müssen auf allerhöchstem Niveau präsentiert werden», sagt Alexandre Dratwicki, «sonst wird das Potenzial der Stücke nicht sichtbar.» Als Künstlerischer Leiter der Stiftung «Palazzetto Bru Zane» organisiert Dratwicki seit 2009 ein weltweit einmaliges Revitalisierungsprogramm für die französische Musik der Romantik. Also hat er keinen Geringeren...
Das Orchester ist hochgefahren, die Balustrade aufgesplittert. Kein Graben trennt Zuschauer und Sänger, und während die einen auf ihre Plätze eilen, halten die anderen Maulaffen feil. Ein Mozart auf Augenhöhe sozusagen, platziert vor allem auf den Seitenbrücken und dem Proszenium. Noch ist der Bühnenvorhang geschlossen, und das Publikum blickt darauf, als weite...
