Reflektierter Slapstick
Reisen wäre eine Möglichkeit. Einfach «die Zeit genießen». Aber auf keinen Fall eine Buffa komponieren, wie am Ende dieses Stücks gewarnt wird – noch dazu nach dem «Falstaff». Friedrich Cerha hat es trotzdem gewagt fürs Münchner Gärtnerplatztheater. Eigentlich hatte der jetzt 87-Jährige von der Oper genug nach drei eigenen Bühnenwerken und der Komplettierung von Bergs «Lulu». Dass er es dennoch getan hat, lag am Lockstoff seines Librettisten Peter Wolf: Ferenc Molnárs Klipp-Klapp-Komödie «Eins, zwei, drei», die in Billy Wilders Filmversion legendär wurde.
Cerhas «Onkel Präsident», uraufgeführt im Prinzregententheater, bleibt eng an der Vorlage. Der Präsident eines Stahlkonzerns befördert hier binnen Stundenfrist einen Fahrradboten zum adligen Manager. Und das nur, weil sich der Boss um die Tochter eines Geschäftsfreundes hätte kümmern sollen – die nun den Boten heimlich geheiratet hat und von ihm ein Kind erwartet. Bei Molnár/Wilder drehen alle förmlich durch, Wolfs Libretto ist auch für viele Lacher gut. Doch Cerhas Klangkleid soll noch für eine andere Dimension sorgen. Der Österreicher möchte mehr. Nicht nur Pointen illustrieren, sondern auch problematisieren, alles einbetten in ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Markus Thiel
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