Aufreizend harmlos
Dieser Mann musste nach oben. An die Spitze einer mafiosen Gesellschaft. Trenchcoat-Machtmenschen haben ihn, den Schwächling, dazu benutzt. Anders sie. Diese Frau will nach oben, mit allen Mitteln. Viel haben Simon und Amelia demnach nicht gemein. Nicht einmal die Gene, wie Regisseur Dmitri Tcherniakov behauptet. Eine Fremde ist sie, eine falsche Tochter, die Boccanegras Suche nach familiärer Nähe nur benutzt. Vor zwei Jahren hat Tcherniakov diese Verbiegung von «Simon Boccanegra» an der English National Opera erstmals vorgestellt.
Für ihre Verdi-Anstrengungen in dieser Saison hat die Bayerische Staatsoper die Produktion importiert, ein Aufguss also – der dem selbst erklärten Exklusivitätsanspruch des Hauses zuwiderläuft.
Vom «Schmerzenskind» sprach Verdi einst. In München bekam dies eine ganz andere Bedeutung: Während der Proben sprang Krassimira Stoyanova aus familiären Gründen ab, kurz vor der Premiere cancelte auch noch Ramon Vargas die erste Serie. Kristine Opolais ist eher darstellerisches denn vokales Ereignis. Ihre Amelia ist ein schwarzer Gothic-Twen, mit faserigem, nicht gut zentriertem Charaktersopran gesungen. Dass dieses geheimnisvolle Biest auch Gabriele Adorno nur ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Markus Thiel
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