Auf der Shakespeare-Bühne

Reimann: Lear Malmö / Oper

Opernwelt - Logo

Seit seiner Uraufführung 1978 ist Aribert Reimanns «Lear» fast zu einem Repertoirestück geworden. Umso überraschender, dass er in Skandinavien, das Neuer Musik an sich aufgeschlossen gegenübersteht, erst jetzt seine Premiere erlebte. Das kleine, aber feine Opernhaus in Malmö hat sich dieser musikalischen Mammutaufgabe angenommen und sie mit Bravour gelöst: Reimanns Meisterwerk ist nun auch im Norden etabliert.

Stefan Johansson hat eine beglückend klare wie einfache Regielinie gefunden, die das Theater Shakespeares als Dreh- und Angelpunkt nimmt.

Ohne große Requisiten treten die menschlichen Grundkonflikte in den Fokus. Der abgedeckte ­Orchestergraben – in Malmö ein Halbrund – fungiert als schlichte elisabethanische Bühne, über Holzstege treten die Figuren in renaissanceartigen Kostümen auf. Das Geschehen, in dem die Abgründe menschlicher Bosheit und Brutalität ausgeleuchtet werden, findet hautnah erfahrbar im Zuschauerraum statt.

Das Orchester ist auf der eigentlichen Bühne des Hauses positioniert, schemenhaft verdeckt von einem Vorhang. Erik Nielsen führt es mit größter Umsicht und Klarheit durch Reimanns dunkle, komplexe Klangstrukturen mit ihren irisierenden Viertelton-Clustern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 45
von André Bücker

Weitere Beiträge
Besessene Wahrheitssuche

Als 2010 bei den Bregenzer Festspielen Mieczyslaw Weinbergs «Passagierin», 42 Jahre nach ­ihrer Entstehung, uraufgeführt wurde, schrieb Georg Rudiger in dieser Zeitschrift, damit sei ein Komponist wiederentdeckt worden, «dessen Werke in den nächsten Jahren auf vielen Bühnen und Konzertpodien zu hören sein werden» (OW 9-10/2010). Diese Hoffnung hat sich nicht...

Frühling, Winter, Sommer

Wie war das noch mal in Philipp Himmelmanns Baden-Badener «Così fan tutte»-Inszenierung? Da stand Despina in der ersten Szene unter einem blühenden Baum – und pflückte einen Apfel. Mitten im Frühling lockten Versuchung und Erkenntnis zugleich – und gerade dort verortete der Regisseur die letzte der drei Da-Ponte-Opern. Der kleine Zyklus sollte folgerichtig im...

Einsame Höhe

Viele alte Bekannte treten auf an diesem Abend. Armida, die männerkritische Zauberin, der fesche Kreuzritter Rinaldo, Clorinda und Tancredi, die sich bekämpfen und lieben. Auch den konfusen Magier Ubaldo und Argante, den Herrscher über Jerusalem, kennen wir aus anderen Opern. Nur: Dass sie alle zusammen vorkommen samt weiteren Christen und Sarazenen, Rittern und...