Weltpolitischer Ballast
Die Opern von Richard Strauss gehören in Glyndebourne seit Jahrzehnten zum Repertoire. Katharina Thomas hätte ihre Neuproduktion von «Ariadne auf Naxos» also gar nicht mit künstlichem Lokalkolorit schminken müssen, um dem Publikum ihr britisches Regiedebüt schmackhafter zu machen. Dennoch verlegt sie Prolog und Oper unverkennbar ins Glyndebourner Landhaus von Festivalgründer John Christie und siedelt das Stück im Zweiten Weltkrieg an.
So ist es denn auch ein kleiner coup de théâtre in Form eines Bombenangriffs der deutschen Luftwaffe, der die Vorbereitungen zum eigentlichen Opernspektakel, der Vorstellung von «Ariadne» als Theater auf dem Theater, jäh unterbricht – und die Zuschauer nach dem Vorspiel zum kulinarisch üppigen Dinner entlässt.
Nach der Pause hat sich die von Julia Müer entworfene Theaterszene in ein Lazarett mitsamt Feldbetten und traumatisierten Verwundeten verwandelt. Hofmannsthals Nymphen treten als Rotkreuz-Krankenschwestern auf und kümmern sich um die psychologisch angeschlagene Ariadne, während Zerbinetta und ihr Commedia dell’arte-Gefolge in identischen, gestreiften Cricket-Blazern agieren – mehr oder weniger angestrengt wirkende, im Hinblick auf Personenregie ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Tom Sutcliffe
Es gehört nicht viel zur Behauptung, Cecilia Bartoli sei – mit ihren Stärken und Schwächen, die sie selbst genau kennt – eine Ausnahmesängerin, ja, Ausnahmekünstlerin. Wenn man es boshaft sagen will: Sie ist genauso gut wie der von ihr angekurbelte Apparat der Public Relations, dessen Motor makellos und ohne das geringste Stottern auch auf hoher Tourenzahl...
Das Orchester ist hochgefahren, die Balustrade aufgesplittert. Kein Graben trennt Zuschauer und Sänger, und während die einen auf ihre Plätze eilen, halten die anderen Maulaffen feil. Ein Mozart auf Augenhöhe sozusagen, platziert vor allem auf den Seitenbrücken und dem Proszenium. Noch ist der Bühnenvorhang geschlossen, und das Publikum blickt darauf, als weite...
Herr Mulders, worin bestehen die Chancen der Doppelintendanz?
Man kann beide Häuser programmatisch viel näher aneinander binden. Zur Eröffnung der Saison mit Verdis «Macbeth» spielen wir parallel in der Philharmonie Verdis Requiem. Zum «Werther» von Massenet führen wir die einzigen symphonischen Werke von Massenet auf. Das sind echte Raritäten. Kurzum: Wir können...
