Zwischen Strich und Hiebe
Der Russe ist einer, der nicht nur Birken, sondern auch Zoff liebt. Seine sentimentale ist die eine Seite, die andere aber ist unberechenbar: Aus der Haut kann er fahren, wenn ihn das Fell juckt, das dann das einer Bestie ist. Wenn man ihn ärgert, den Russen, dann versteht er keinen Spaß mehr. So könnte es in einem Lexikon der Vorurteile und Pauschalisierungen zu lesen sein, so wird es einem aber tatsächlich im Mainzer Theater vorgeführt.
Der 1978 geborene, aus Wolgograd stammende Autor Alexander Moltschanow zeigt in seinem jüngsten Stück «Mörder» ein Trio Radikal im Russland des Jahres 1993, das in der Kampfzone zwischen geplatzten Träumen und verpassten Chancen im
turbokapitalistischen Minenfeld das Überleben und das Glück probt. Es sind Studenten, denen wir begegnen in einem harten Moskauer Alltag, der freilich kaum Zeit lässt, sich den schönen Künsten oder der Wissenschaft zu widmen, weil man zuallererst für seine blanke Existenz zu sorgen hat. Wenn Gott (oder die Partei) nicht mehr lenkt, dann hilft auch dem Menschen das Denken nicht mehr: Er muss kämpfen ums nackte Überleben. Folgerichtig findet eine Verrohung von Kopf und Herz statt, die einst gepflegte Gebildeten-Sprache ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Mainz, Seite 66
von Bernd Noack
Nachrichten aus der Blackbox einer traurigen Jugend können mit sagenhafter Kraft nach draußen dringen: «It’s better to burn out / than to fade away.» Dieses Neil-Young-Zitat hatte Kurt Cobain bei seinem Freitod 1994 allen jugendlichen Melancholikern ins Herz geschrieben. «Besser verbrennen als verblassen.» Sie können aber auch etwas leiser wehen: «DAS HIER IST...
Allzu großes Vertrauen in die allgemeine Menschennatur wird Gorki nach «Die Letzten» niemand vorwerfen. Er hatte während des Schreibens 1907 im Exil auf Capri auch wenig Grund dazu. Die russische Revolution war erst einmal gescheitert, eine Rückkehr nach Russland auf Jahre unmöglich. Stattdessen stritt er sich mit Lenin über die richtige Strategie zur großen...
Vor knapp einem halben Jahrhundert wurde, so heißt es, unter Kurt Hübner in Bremen das Regietheater erfunden: Unter anderem 1966, mit Peter Zadeks Skandalinszenierung «Die Räuber», die Schillers Debüt nicht stürmend und drängend als Leidenschafts–überschuss deutete, sondern als bis ins Letzte ausgeleuchtete Bigger-than-life-Kolportage, für die Wilfried Minks ein...
