Irrtümer der Geschichte
Allzu großes Vertrauen in die allgemeine Menschennatur wird Gorki nach «Die Letzten» niemand vorwerfen. Er hatte während des Schreibens 1907 im Exil auf Capri auch wenig Grund dazu. Die russische Revolution war erst einmal gescheitert, eine Rückkehr nach Russland auf Jahre unmöglich. Stattdessen stritt er sich mit Lenin über die richtige Strategie zur großen Veränderung.
Der Titel ist wörtlich zu verstehen. Die Letzten, eine heruntergekommene Adelsfamilie,
zeigen das Politische privat: allseits gründlich zerrüttet.
Der Vater Iwan Kolomizew, ein korrupter Kreispolizeichef, der wegen seiner selbst für zaristische Verhältnisse ungewöhnlichen Brutalität abgesetzt worden ist, kann sich deshalb ganz auf seine Aufgabe als Familientyrann konzentrieren. Er drangsaliert seine unterschiedlich missratenen fünf Kinder, jongliert mit Bestechungsgeldern, badet in Selbstmitleid, platzt vor Menschenverachtung. Alkohol und Frauengeschichten runden das Charakterporträt ab. Seine Gattin Sofia hasst ihn hilflos, ist aber wegen ihres 20 Jahre zurückliegenden Seitensprungs mit Schwager Jakow moralisch erpressbar. Der wiederum, die einzig anwesende Seele von Mensch, liegt todkrank auf dem Divan und ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Mit seinem neuen Stück, einem Auftragswerk des Chemnitzer Theaters, knüpft Wyrypajew an die Konstellationen aus «Illusionen» (siehe TH 12/2011) an. Wieder stehen zwei Ehepaare, diesmal erfolgreiche Mittdreißiger, im Fokus und reflektieren über Leben, Wahrheit und die Fragen von Spiritualität, Religion und Glauben. Wyrypajews Ausgangpunkt ist eine Verschiebung von...
Heimkommen kann traumatischer sein als Aufbrechen. Wut und Schwung sind aufgebraucht, die kühnsten Träume haben sich in Asche verwandelt, und die Kräfte reichen gerade noch, um ins kalte, längst nicht mehr gemachte Bett zurückzukriechen – so es irgendwo noch so etwas wie ein Elternhaus gibt – oder sich auf dem Familiengrab einschneien zu lassen. Zumal, wo sich die...
Franca Rames letzter Blogeintrag (http://www.ilfattoquotidiano.it/blog/frame/) datiert vom 31. Januar 2013. Da geht es um Kindheit und Tod, um den Sohn Jacopo und das Geburtstagsfest, das sie am 18. Juli feiern wird, wenn sie die 84 erreicht. Vor allem aber ist es ein herzergreifender Liebesbrief an ihren Mann Dario Fo, «mein Ein und Alles». Sechzig Jahre waren die...
