Zeitwechsel-Spiele

Marius von Mayenburgs «Der Stein»

Theater heute - Logo

Die Frage nach der Darstellbarkeit von Historie im Drama bewegt seit den «Persern» von Aischylos die Zuschauer. Schon Aristoteles meinte, das Drama sei das tauglichere Mittel, Geschichte zu begreifen, als die Geschichtsschreibung. Es ist nicht an die Fakten gebunden, sondern kann die zentralen Widersprüche, die zum Gang der Geschichte führen, in ihrem menschlichen Kern darstellen. Zugleich mit dieser Darstellung von Geschichte in Situationen wird jedoch ein Weltbild erzeugt, das einen spezifischen Blick auf die Vergangenheit formuliert.

So können, wie beispielsweise im Historiendrama des 19. Jahrhunderts, die großen Gestalten der Geschichte in ihren leidenschaftlichen Kollisionen aufeinandertreffen. Das Ergebnis war hier die Einsicht: Männer machen Geschichte.
 

In «Der Stein» wird schon im Titel angezeigt, wie wenig Handlungskraft in den einzelnen Menschen steckt. Ein Haus wird zur Zeit des Nationalso­zialismus von seinen jüdischen Besitzern zwangsweise an eine deutsche Familie verkauft. Es folgen die Bombardierung und der Selbstmord des neuen Besitzers. Seine Frau und ihre Tochter überleben, fliehen aber 1953 aus der als Kriegsfolge errichteten DDR. Sie besuchen 1978 noch einmal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 170
von Bernd Stegemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Mangel an Mangel

Eine Krise ist immer eine gute Sache. Wenn das Theater sich selbst abschafft, dann werden wir dieses Schauspiel genießen. Untergang ist überhaupt das beste Schauspiel.» (Boris Groys) Im Berliner Landwehrkanal, in den im Januar 1919 – wie in Brechts «Ballade vom ertrunkenen Mädchen» poetisiert – die ermordete Rosa Luxemburg geworfen wurde, dümpelt 2008 ein...

Die Dramatiker des Jahres

Die Theaterautoren des Jahres denken nicht an 68, zumindest lassen sie es sich nicht anmerken. 
 

Simon Stephens beschäftigt sich mit der Frage, was Talent ist, und kommt zu anstrengenden Ergebnissen: Arbeit!
 

Ulrich Khuon feiert die Mülheimer Stücke-Preisträgerin und Dramatikerin des Jahres, Dea Loher.
 

Ewald Palmetshofer, Nachwuchsdramatiker der Saison, steckt...

68–war da was?

Im Jahr 1968 war von «68» noch lange nicht die Rede. Solche historischen Großetiketten für Brüche und Epochen entstehen immer erst hinterher – dafür halten sie sich, einmal in der Welt, umso hart­näckiger. 40 Jahre später, nachdem 68 viele Siege errungen hat und viele Tode gestorben ist, nachdem es ausführlich gefeiert und leiden­schaftlich verdammt wurde, lässt...