Der Mangel an Mangel
Eine Krise ist immer eine gute Sache. Wenn das Theater sich selbst abschafft, dann werden wir dieses Schauspiel genießen. Untergang ist überhaupt das beste Schauspiel.
» (Boris Groys) Im Berliner Landwehrkanal, in den im Januar 1919 – wie in Brechts «Ballade vom ertrunkenen Mädchen» poetisiert – die ermordete Rosa Luxemburg geworfen wurde, dümpelt 2008 ein Partyschiff in der Morgendämmerung:
Die letzten Gäste einer illustren Party sind noch zugegen: die Gastgeberin Carla, ihr halbwüchsiger Sohn, ihr Liebhaber Boris und ihre beste Freundin Berenice, zudem noch die junge Mimi vom Servicepersonal. Carla hat ihre Beförderung zur Chefärztin gefeiert. Plötzlich merkt Berenice, dass das Schiff ins offene Meer abgedriftet ist. Nach ersten Versuchen der Kontaktaufnahme, Hysterie und Entsetzen, da alle Verbindungen zum Festland abgebrochen sind, wird sachlich überlegt, was man tun könnte: Lebensmittel einteilen, Kontaktaufnahme zu vorbeifahrenden Schiffen vorbereiten und bloß die Ruhe bewahren.
Doch es eskaliert weiter: Eine gewaltige Kraft, die aus der Meerestiefe zu kommen scheint, erschüttert das Schiff und bringt es fast zum Kentern. Die Passagiere glauben, ein monströses Ding gesehen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 168
von Thomas Bockelmann
SIE und ER begegnen sich ganz zufällig und werden einander dann nicht mehr so recht los. Was sich wie der Beginn einer Liebesgeschichte liest, entwickelt sich schnell zu einem Kaleidoskop größtenteils komplizierter Lebens- und Liebesbeziehungen, unerfüllter Bedürfnisse, falscher Hoffnungen, freiwillig gewählten Selbstbetrugs und hilfloser Lügen. Wer die Stücke der...
«Robespierre, möchtest du mit mir in der Seine baden gehen?» Diesen Spruch schrieb Olympe de Gouche vor mehr als 200 Jahren an die Wände des revolutionären Paris. In den Unruhen schlug sich die junge Witwe und alleinerziehende Mutter als Prostituierte durch und: Sie mischte sich ein. Gegen die «Erklärung der Rechte des Mannes und des Bürgers» schrieb sie ihre...
Prolog
Wie sich im Laufe des letzten halben Jahres herausgestellt hat, gibt es keinen Sektor des Lebens, der Kultur, der Politik, keine Betätigung zwischen Fußball und Fallenstellen, die nicht ihr 68 gehabt hätten. Die hinter uns liegende Zeit besonders intensiver Debatte darüber, was das eigentliche 68 gewesen wäre, das Wesen von 68 nämlich, im Gegensatz zum...
