68–war da was?
Im Jahr 1968 war von «68» noch lange nicht die Rede. Solche historischen Großetiketten für Brüche und Epochen entstehen immer erst hinterher – dafür halten sie sich, einmal in der Welt, umso hartnäckiger. 40 Jahre später, nachdem 68 viele Siege errungen hat und viele Tode gestorben ist, nachdem es ausführlich gefeiert und leidenschaftlich verdammt wurde, lässt sich Dichtung und Wahrheit am großen Mythos zwar nicht immer auseinanderhalten, aber zumindest genauer betrachten.
War da wirklich was – und wenn ja, was?
Und was hat das Theater, angeblich eine Vorhut und letzte Bastion von 68, damit zu tun? Eva Behrendt fragt nach dem linken Auftrag – und was davon noch übrig ist. Hans Neuenfels, Thomas Ostermeier, Nicolas Stemann und Frank-Patrick Steckel reden über damals und heute: Zwei Regisseure, die das neue Theater von 68 vorbereitet und bestimmt haben, unterhalten sich mit zwei 1968 geborenen Kollegen über Erfahrungen, Geschichtsperspektiven, Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Elisabeth Schwarz berichtet, wie sich Politisierung und Mitbestimmung aus Sicht einer Schauspielerin und Mutter zweier Kinder ausnahm. Henning Rischbieter lässt in einer Chronik die wichtigsten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nicht zu übersehen, die Bühnenbildner des Jahres. Die drittplatzierte Muriel Gerstner (Preisträgerin 2006) hat für Sebastian Nüblings Uraufführung von Simon Stephens’ «Pornographie» ein grandioses Puzzle mit Breughels Turm von Babel entworfen, das nicht nur als Großmetapher dient, sondern die Schauspieler in und zwischen den Szenen ausführlich beschäftigt: als...
Große Fragen liegen auf dem Tisch, Kaffeetassen stehen bereit:
Thomas Ostermeier, Jahrgang 1968, war nach dem Regiestudium an der Berliner Ernst-Busch-Schule künstlerischer Leiter der Baracke des Deutschen Theaters und leitet seit 2000 die Berliner Schaubühne
Frank-Patrick Steckel, geb. 1943, kam als Student der Kunstgeschichte zum Studententheater. Seit 1970...
Eine Zweite, die schon oft Erste war, ist Sandra Hüller. In Tom Lanoyes Antikenbearbeitung «Mamma Medea» lehrt die Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2003 als kolchische Königstochter nicht nur die Korinther das Gruseln. Hüllers radikal Liebende scheitert in der (ihrerseits zweitplatzierten) Inszenierung von Stephan Kimmig von Anfang an daran, Liebe und Identität...
