Übungen in Demut – die Bühnenbilder des Jahres

Theater heute - Logo

Nicht zu übersehen, die Bühnenbildner des Jahres. Die drittplatzierte Muriel Gerstner (Preisträgerin 2006) hat für Sebastian Nüblings Uraufführung von Simon Stephens’ «Pornographie» ein grandioses Puzzle mit Breughels Turm von Babel entworfen, das nicht nur als Großmetapher dient, sondern die Schauspieler in und zwischen den Szenen ausführlich beschäftigt: als akrobatisch puzzelnde Bühnen-Hilfsarbeiter auf der Baustelle des Stücks.


 

Johannes Schütz trifft mit seinem lehmfarbenen Bühnenkasten für Jürgen Goschs «Onkel Wanja» am Deutschen Theater ebenfalls Entscheidungen, die die Figuren in ihren Bann ziehen. Aus diesem aufgebockten Menschen-Präparierkasten gibt es keinen Ausgang, was gerade unbeschäftigte Mitspieler links und rechts an der Wand aufreiht.
 

Am entschiedensten bestimmt allerdings der Bühnenbildner des Jahres, Olaf Altmann, wie man in Michael Thalheimers «Ratten»-Inszenierung zu gehen und zu stehen hat: nämlich hüftkrumm und bandscheibengeplagt, weil 1,60 Meter Deckenhöhe auf diesem Dachboden die Menschen ihr Leben unter der Schraub­zwinge der Verhältnisse am gebeugten Rücken spüren lassen. 
 

Die großen Bühnenwelt-Entwürfe leiden derzeit jedenfalls nicht an übertriebener ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Die Höhepunkte des Jahres, Seite 151
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nichts ist, wie erwartet

Das Haus der vielen Zungen» von Jonathan Garfinkel ist ein poetisches, groteskes und nicht zuletzt verstörendes Theaterstück über den Mittleren Osten. Es vereint emotionale und politische Elemente in hoher Dosierung mit einer unerschrockenen Chuzpe. Jonathan Garfinkel nimmt Stellung, aber nicht Partei für ein hoch brisantes Thema, und für ihn geht politisches...

Amokläufer der guten Tat

Das Thema des Stückes ist nicht Asyl, obwohl ein Asylant darin vorkommt und die Autorin Anne Habermehl darüber viel recherchiert und gearbeitet hat. Das Thema des Stückes ist auch nicht – zumindest nicht in erster Linie – der Kampf der Kulturen, der Zusammenprall von Erster und Dritter Welt, obwohl genau das passiert und ein algerischer Wirtschaftsflüchtling auf...

Der rote Faden

Ein 68er bin ich wahrlich nicht. Für Mitbestimmung hatte ich in den fünfziger Jahren demonstriert, als Teilnehmer von DGB-Kundgebungen. Da ging es darum, die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der Industrie durchzusetzen. Her­aus kam ein Kompromiss: Die erweiterte Mitbestimmung (paritätisch besetzte Aufsichtsräte, Arbeitsdirektoren in den Vorständen)...