Wuteinfälle
Der Wutbürger ist sicher nicht die Rettung der Welt, aber so schlecht wie sein Ruf ist er
noch lange nicht. Nur was uns wirklich in Rage versetzt, werden wir auch ändern.
Sich empören ist nicht des Rätsels Lösung, aber ein vielversprechender Anfang. Deshalb wollten wir von Regisseuren, Schauspielern, Intendanten, Dramaturgen und Autoren wissen, was sie wirklich aufregt. Gefragt war ein Ärgernis freier Wahl, ein zornroter Wuteinfall.
Alles ist erlaubt!
Mutig gewütet haben Björn Bicker, Luc Bondy, Peter Carp, Werner Düggelin, Herbert Fritsch, Sebastian Hartmann, Dennis Kelly, Peter Kern, Oliver Kluck, Shermin Langhoff,
Matthias Lilienthal, Philipp Löhle, Joachim Lux, Armin Petras, René Pollesch, Wiebke Puls, Simon Stephens, Marlene Streeruwitz und Christian von Treskow. Auf den folgenden Seiten lagert reines Dynamit: der Konfliktstoff, der Theaterleute umtreibt, und ein Aufsatz von Diedrich Diederichsen über den Rohstoff Wut.Begleitet wird dieses Jahrbuch von Bildern aus der Wiege der Demokratie. Arno Declair hat sich in Athen umgesehen, als dort eine ganz besondere Wut ausbrach: die Wut auf Europa in Europa, die Wut von uns auf uns – falls wir Europäer sind.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Wuteinfälle, Seite 1
von
Was ist das für eine Justiz?», könnte man fragen, die eigentlich überzeugt ist von der Schuld einer Gruppe von Angeklagten, denen die vielfache Vergewaltigung und anschließende Ermordung eines fünfjährigen Jungen zur Last gelegt wird, und die doch die Waffen streckt und alle Beschuldigten freispricht, gegen ihre in der Urteilsbegründung geäußerte Überzeugung? «Was...
Ich würde erstmal kühn behaupten, dass es mich als Wutbürger gar nicht gibt. Außer natürlich bei himmelschreienden Ungerechtigkeiten und Urbösem (Bankenskandale, Korruption, Atomproblematik, Dritte Welt und ein paar weiteren, insgesamt mindestens sieben Todsünden). Eine dieser sieben Todsünden sind die seit längerem grassierenden Zerr- und Zerfallsformen von...
Ich bin gebeten worden, über etwas zu schreiben, das mich wütend macht, und angesichts der Welt, wie sie ist, befinde ich mich ohnehin fast ständig in einem Zustand von anschwellender Wut. Es sollte also nicht schwierig sein. Aber seltsamerweise werde ich nicht über etwas schreiben, das mich ärgert, sondern über etwas, das mich verwirrt. Schon dieser Umstand macht...
