Was sie sagen, ist nicht wahr
Was ist das für eine Justiz?», könnte man fragen, die eigentlich überzeugt ist von der Schuld einer Gruppe von Angeklagten, denen die vielfache Vergewaltigung und anschließende Ermordung eines fünfjährigen Jungen zur Last gelegt wird, und die doch die Waffen streckt und alle Beschuldigten freispricht, gegen ihre in der Urteilsbegründung geäußerte Überzeugung? «Was aber wäre das für eine Justiz?», müsste man fragen, die ihre im Prozess gewonnenen Überzeugungen über das juristisch Feststellbare stellte? «Was ist das also für eine Justiz?», fragt man sich, die verurteilt, in
dem sie freispricht? Die offensichtlich nicht genügend Unbezweifelbares in der Hand hat und in den Freispruch ihre im Verlauf des Prozesses gewonnene (und mit der öffentlichen Meinung geteilte) Überzeugung von der Schuld der Angeklagten hineinschreibt?
Das ist, oder besser gesagt: wäre, vielleicht auch ein Drama. Es könnte in einem Gerichtssaal spielen, Richter, Angehörige, Zeugen, Angeklagte wären das Personal, Aussagen, widerrufene Geständnisse, die unterschiedlichen Perspektiven der unterschiedlich Beteiligten wären das Material und die grundsätzliche Schwierigkeit, mit den Mitteln des Strafprozesses, der ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 162
von Sebastian Huber
Heute, gestern oder in naher Zukunft. «In der ausgeräumten Chefetage eines längst aufgegebenen Hochhauses», wie der Autor den Spielort der ersten Szene mit dem Titel «Ich bin da» beschreibt, treffen sich nach langer Zeit zwei alte Freunde aus Studententagen: ICH und ER, beide mittlerweile Anfang fünfzig. Einst wollten sie die Sterne vom Himmel holen, so viel Liebe...
Das ist der Tod, der vor mir steht – lacht!» Mit diesem Motto beginnt Emine Sevgi Özdamars Umwidmung eines barocken Totentanzes zu einem Memento mori in sieben Szenen, zu einem grausigen und komischen Spiel über Krankheit, Verlassenwerden, Sterben im Exil und die Kraft, die der Mensch dagegen mobilisieren kann. Sie feiert keinen Kult der Vergänglichkeit, in dem...
Das Schauspiel Köln ist Meister in allen Klassen: Im Theater des Jahres spielt die Schauspielerin des Jahres, Lina Beckmann, und Intendantin Karin Beier hat die Inszenierung des Jahres, Elfriede Jelineks «Das Werk/Im Bus/Ein Sturz», eingerichtet. Zuverlässig im Hintergrund steht Chefdramaturgin Rita Thiele: ein Porträt!
