Totenbeschwörung auf der Insel
Das ist der Tod, der vor mir steht – lacht!» Mit diesem Motto beginnt Emine Sevgi Özdamars Umwidmung eines barocken Totentanzes zu einem Memento mori in sieben Szenen, zu einem grausigen und komischen Spiel über Krankheit, Verlassenwerden, Sterben im Exil und die Kraft, die der Mensch dagegen mobilisieren kann. Sie feiert keinen Kult der Vergänglichkeit, in dem der Tod triumphiert, sondern sie will das Leben befreien durch Bewusstmachen, Verarbeiten und Integrieren des Todes ins Leben.
Sieben Szenen, das sind sieben «Erzählungen», in denen über zwanzig verschiedene Figuren vorkommen; sie reichen vom alten türkischen Elternpaar über drei im Exil gestorbene Türken, die als Tote auftreten, die Autorin selbst und ihren Lebensgefährten, dessen Bruder und Frau, einer Gruppe japanischer Schulmädchen bis zu den realen historischen Figuren Walter Benjamin und Peter Zadek. Das hört sich erst einmal nach einer Überforderung des Theaters an, aber die Verbindungen der Orte, Zeiten, Kulturen und das Pendeln zwischen verschiedenen Erzählweisen geschehen bei ihr ganz einfach und logisch. Und eine der Aufgaben von Literatur ist es, dem Theater erst einmal Widerstand entgegenzusetzen.
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 168
von Bettina Schültke
Wer sich gefragt hat, wo eigentlich Elfriede Jelineks Text oder Stück zum Fall Josef Fritzl bleibt – hier ist er oder es. «FaustIn and out» schaut in die Hölle, die sich vierundzwanzig Jahre lang in einem unterkellerten Haus in Amstetten in Österreich befand. Der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Fritzl hatte seine Tochter im Keller eingesperrt, mit...
Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der...
Was ist das für eine Justiz?», könnte man fragen, die eigentlich überzeugt ist von der Schuld einer Gruppe von Angeklagten, denen die vielfache Vergewaltigung und anschließende Ermordung eines fünfjährigen Jungen zur Last gelegt wird, und die doch die Waffen streckt und alle Beschuldigten freispricht, gegen ihre in der Urteilsbegründung geäußerte Überzeugung? «Was...
