Wenn der Wutpegel steigt

Mittelstandstristesse und Wutbürgertum: Yasmina Rezas «Bella Figura» an der Schaubühne, Yael Ronens Ensemble-Projekt «Das Kohlhaas-Prinzip» am Berliner Gorki Theater

Theater heute - Logo

480 Euro, ein Fünftel ihres Gehalts, hätten diese schwindelerregend hohen und doch so schmerz­haften Schuhe gekostet, seufzt Apothekenge­hilfin Andrea in «Bella Figura», Yasmina Rezas Auftragsstück für die Berliner Schaubühne. Dort wird sie von der ohnehin eleganten Nina Hoss gespielt, der Florence von Gerkan eine cremefarbene Seidenhemdbluse und einen sexy Etuirock in Terracotta auf den schlanken Leib geschneidert hat. «Du hast Sorgen!», denkt man an diesem Abend nicht nur einmal.

Warum bleibt diese geradezu großbürgerlich glamouröse Alleinerziehende vier Jahre lang bei einem leicht vertrottelten Unternehmer für Verandaverglasungen, der sich von seiner Ehefrau Restaurants empfehlen lässt, in die er dann seine Geliebte ausführt? 

«So bin ich, ich will weg, und dann bleibe ich doch und bleibe, und bleibe», erklärt Andrea ihre schreckliche Tragik einmal selbst. Noch auf dem Restaurantparkplatz irgendwo in der südwestfranzösischen Provinz hat ihr Boris gestanden, dass seine Glaserei bankrott gegangen ist – und beim Zurücksetzen um ein Haar Yvonne, die halb demente Schwiegermutter der besten Freundin seiner Frau, über den Haufen gefahren. Auf diesen Schreck hin beschließen Yvonnes Sohn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2015
Rubrik: Neue Stücke, Seite 28
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Vorschau

Pläne der Redaktion

 

Der Supertanker unter den deutschsprachigen Theaterfestivals, die Wiener Festwochen, führt auch in diesem Jahr fette Ladung: eine Bilanz

 

Sozialporno oder Armuts­groteske? Wie nett sind arme Leute? Michael Thalheimer inszeniert Gorkis «Nachtasyl» in der Berliner Schaubühne

 

Die Welt ist, was der Unfall ist! Ferdinand Schmalz hat einen neuen...

Sprengen ist eine Option

Drei Theater, drei Städte, ein Thema, so lässt sich das Konzept von «Industrie­gebietskinder» zusammenfassen, dessen Ergebnisse im Mai in Halle präsentiert wurden. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund, das Thalia Theater Halle und das Theater Strahl aus Berlin haben im letzten Jahr begonnen, ihre jeweilige Industriegeschichte in verschiedenen Beteiligungsformaten...

Trikottausch beim Abstiegskampf

Als neugierig lauernde Kollegen, Nachbarinnen und Passanten, als geisterhafter Sichtschutz fürs Bettgeflüster im Schwarzlicht, als Insignien für Berufs- und Kontostand – die Kostüme spielen die Hauptrolle in Anne Lenks Inszenierung von «Kleiner Mann – was nun?» am Theater Augsburg. Gut 120 Anzüge, Blümchenkleider, Kittel, Uniformen und Mäntel lässt Bühnen- und...