Trikottausch beim Abstiegskampf
Als neugierig lauernde Kollegen, Nachbarinnen und Passanten, als geisterhafter Sichtschutz fürs Bettgeflüster im Schwarzlicht, als Insignien für Berufs- und Kontostand – die Kostüme spielen die Hauptrolle in Anne Lenks Inszenierung von «Kleiner Mann – was nun?» am Theater Augsburg. Gut 120 Anzüge, Blümchenkleider, Kittel, Uniformen und Mäntel lässt Bühnen- und Kostümbildnerin Halina Kratochwil auf Kleiderbügeln an langen Schnüren auf die schwarze Bühne heruntersausen.
Sie bremsen auf Schulterhöhe, dann hängen sie da: 120 Rollen, die gespielt, 120 Leben, die gelebt werden könnten. Wenn Tjark Bernau als Johannes Pinneberg abgebrannt und entwürdigt durchs Berlin der Krisengewinnler schleicht, geraten diese Kleider-Wesen ins Schwanken, werden im irren Licht vorbeirauschender Autos zur unheimlich lebendigen, abweisenden Menschenmasse. Kratochwils Szenerien eröffnen eigene
Erzählebenen, hier die Klamotten als stumme Stellvertreterinnen einer entsolidarisierten Gesellschaft, in «Bernarda Albas Haus», ihrer letzten Arbeit mit Lenk in Augsburg, die Bühnenraum füllende Übermutter-Puppe, auf und unter deren ausladendem Reifrock die Töchter hausten.
Lenk inszeniert Luk Percevals ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Cornelia Fiedler
Aalen, Theater der Stadt
2. Schiller, Der Parasit
R. Robert Teufel (Freilichttheater)
18. nach Saint-Exupéry, Der kleine Prinz
R. Ann-Kristin Ebert
23. nach Teller, Nichts
R. Julius Ferstl
Berlin, Komödie
19. Heinersdorff, Der Kurschattenmann
R. Horst Johanning
Bremen, Shakespeare Company
19. Mak/Goos, Fully Female
R. Sabina J. Mak/Annika Goos
Coburg, Landestheater
4....
Bevor es ernst wird – und ich Ihnen einige unordentliche Gedanken vortrage –, beginnen wir scheinbar heiter. Sie kennen das Aperçu von Oscar Wilde: «Alle Frauen werden wie ihre Mütter, das ist ihre Tragödie. Kein Mann wird wie seine Mutter, das ist seine Tragödie.»
Es gibt kaum eine intimere Situation, mir fällt nur noch eine andere Zweisamkeit ein, als die...
Wer im letzten Jahr das Downtown Contemporary Arts Festival (D-CAF) besuchte, das größte unabhängige und spartenübergreifende Festival Kairos, musste sich jeden Abend mühsam an Billigläden und von schleichendem Verfall geprägten Häusern des Fin-de-siècle vorbei den Weg zu den Veranstaltungsorten im Zentrum der Millionenstadt bahnen. Auf den Bürgersteigen am Talaat...
