Webfehler der Schöpfung
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.» So beginnt die Genesis, das erste Buch Moses, das erste Buch des Alten Testaments. Eine Schöpfungsgeschichte, die allererste Fragen klärt und ein paar grundsätzliche Herrschaftsverhältnisse gleich dazu. Hier gibt es nur einen Gott mit dem Anspruch auf Legitimität, nicht viele, die nebeneinander wirtschaften wie bei den in dieser Beziehung wesentlich toleranteren Ägyptern und Griechen. Das sollte später noch für viel Ärger sorgen. Außerdem hat der Mensch diesem Gott Untertan zu sein, alles andere sei Sünde.
Das sollte für noch mehr Ärger sorgen. Bald war auch eine Frau im Spiel und ein «Baum der Erkenntnis von Gut und Böse». Wieder mehr Ärger. Schließlich entstehen aus den ersten Menschen Genealogien und Familiengeschichten, die ersten Intrigen, Rivalitäten, bald Mord und Totschlag. Ärger ohne Ende.
Mit jedem Baustein seiner Schöpfung hat Gott, der Allmächtige, seiner Erfindung Mensch das Leben schwerer gemacht. Zwischendurch muss der Alte Herr darüber sehr verdrossen gewesen sein, denn in gewissen Abständen war er um einen Neuanfang bemüht. Die Sintflut hat alle bis auf Noah und die Seinen ersäuft; in Babel, Sodom oder Gomorra mussten Feuer ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 36
von Franz Wille
Ein Dutzend junger Männer lagert auf gestreiften Sonnenstühlen. In Hawaiihemden und T-Shirts, mit Tattoos und Piercings, Pferdeschwanz und Kurzhaarfrisuren, muskelbepackt und untrainiert – auf den ersten Blick scheint sie außer dem Alter wenig zu verbinden. Hinter ihnen ragt haushoch eine knallgrüne Efeuwand empor, mehr Gefängnis als Garten, Vögel zwitschern vom...
Der Butler (Dirk Audehm) torkelt wie der selige Freddie Frinton aus «Dinner for One» den Afternoon-Tea für die Damen herbei – in einem Bühnenbild (von Marc Bausback), das mit Fotojalousien und rot-grünem Primärkontrastmobiliar ironisch einen süßlichen Hauch von Empire-Wohnstube verströmt. Nicht süßlich, eher schon echter Kandiszucker sind die funkelnd...
Irgendwann im Leben lernt man, dass das Aufgeben eigentlich eine größere Aufgabe darstellt als das Weitermachen. Dass man sich abschotten muss vom Rest der Welt, in seinen eigenen vier Wänden, wenn es geht. Am besten mit einem Kindheitstrauma zur Hand, womöglich unterstützt von einem Familienangehörigen oder einem alten Freund. Das offensichtlich schon durch einige...
