«Wie sind wir zu solchen Versagern geworden?»

David Levine inszeniert Jason Grotes hyper-durchschnittliches amerikanisches Couch-Melodram «Habit» als Dauerperformance in New Yorks Lower Eastside

Theater heute - Logo

Irgendwann im Leben lernt man, dass das Aufgeben eigentlich eine größere Aufgabe darstellt als das Weitermachen. Dass man sich abschotten muss vom Rest der Welt, in seinen eigenen vier Wänden, wenn es geht. Am besten mit einem Kindheitstrauma zur Hand, womöglich unterstützt von einem Familienangehörigen oder einem alten Freund. Das offensichtlich schon durch einige Hände gegangene graue Ikea-Sofa in David Levines Theaterinstallation «Habit» ist unter anderem deshalb ein genialer Schachzug.

Denn es kommt einem merkwürdig bekannt vor: bekannt aus unzähligen Off-Broadway-Inszenierungen; bekannt aus den Rezessions-Sitcoms wie «2 Broke Girls», die seit ein, zwei Jahren die abendlichen Fernsehbildschirme erobert haben; bekannt aus den Brooklyner und Berliner Wohnungen von Freunden und Bekannten. Es bildet den perfekten Hintergrund für die zentrale Frage der von Levine und seinen Schauspielern aufgeführten Performance, die das kleine kulturelle New York während ihrer zehntägigen Laufzeit im September regelrecht wachrüttelte.

«Wie sind wir nur zu solchen Versagern geworden?», platzt jemand an einer Stelle heraus. Damit drückt er nicht nur ein Lebensgefühl aus, das im privaten Amerika ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2012
Rubrik: Ausland, Seite 10
von Daniel Schreiber

Weitere Beiträge
Uneingelöstes Versprechen

Mit «Three Kingdoms», dem trilateral koproduzierten kriminalistischen Parforceritt durch ein unübersichtliches, von Zukunftsängsten und -ambitionen geschütteltes Europa (Autor Simon Stephens wurde dafür gerade zum fremdsprachigen Dramatiker des Jahres gewählt), setzte Sebastian Nübling letzten Herbst an den Münchner Kammerspielen Maßstäbe für ein durchtrainiertes,...

Die wollen doch nur spielen!

Drei ältere Stücke von Philipp Löhle werden zum Berner Saisonauftakt als «Trilogie der Träumer» in der Regie von Jan-Christoph Gockel zur Uraufführung gebracht. Es geht an diesem Abend um untergebutterte Visionäre, Revoluzzer ohne Breitenwirkung, erfolglose Erfinder. Und um etwas, das gelingen soll: die Schauspieleröffnung des Berner Theaters, das sich neu...

Die Fausts im Nacken

In Frankfurt, wo Hochhäuser und Baukräne an den Himmel stoßen, der Euro dieser Tage immer wieder gerettet werden muss, das Elend vor der EZB kampiert – wo wenn nicht hier, ist heutzutage Faust-Land?

So oder so ähnlich hat es sich vielleicht eine Dramaturgin, vielleicht der Chef persönlich beim Blick aus dem Frankfurter Schauspielhaus gedacht. Das möchte man sich...